Nicht mehr Alleine

Langsam wird es Sommer

Langsam wird es Sommer

Am Sonntag um 4:30 Uhr Getrappel an Deck, Walter, Miri und Mimi sind da. Gerade mit der Fähre aus Dänemark angekommen. Erstmal alle in die Kojen, nach der Nachtfahrt von Deutschland hierher sind alle rechtschaffen müde. Nachdem alle mehr oder weniger ausgeschlafen sind, machen Miri und Mimi einen Ausflug nach Göteborg in die City, während Walter und ich die Gegend um den Hafen in Langedrag erkunden. Langsam wird auch das Wetter sommerlich, mehr und mehr blauer Himmel ist zu sehen, und die Schauer werden weniger.

Durch die Schären weiter nach Norden...

Durch die Schären weiter nach Norden…

Montag morgens zur Volvo Penta Station bei Nimbus, ”We will not be able to make it this week“ – Na, das hätte der Typi mir ja auch schon am Freitag sagen können! Bei Wahlborgs Marina Hinsholmen ist man sehr viel hilfsbereiter. Der Chef telefoniert herum und organisiert einen Mechaniker von „Ocean Craft“. Zwei Stunden später ist Kristian da, der sich nochmal an die Entlüftung macht. An den Einspritzdüsen der älteren Modelle sei die Luft immer schwer heraus zu bekommen, verrät er mir. Nach diversen Versuchen springt der Motor wieder an. Schwein gehabt! WhatsApp an Walter, „Läuft wieder“. Sofort kommt die Antwort, „Wir kommen zurück!“, denn wir wollen heute auf jeden Fall noch los, wenn der Motor wieder läuft. Um 14:35 Uhr laufen wir aus, kreuzen durch den „Northern Channel“ auf und biegen hinter dem Leuchtemann Nr. 20  rechts ab in Richtung Björkofjorden und schlängeln uns im geschützten Innenfahrwasser nordwärts. Hinter Tjälholmen biegen wir einmal zu früh ab, was wir jedoch erst merken, als wir kurz aufsetzen. Hinterher völlig klar, sah es doch voraus ganz anders aus, als es nach der Karte hätte aussehen sollen. Nach vier Stunden Segelei machen wir im Hafen „Södra Nordön“ fest. Kalt ist es geworden, als wir abends im Cockpit hungrig unser Würstchengulasch löffeln.

Auf der Hauptstrasse durch die Dörfer am Weg...

Auf der Hauptstrasse durch die Dörfer am Weg…

Am Dienstag geht’s früh los, wir wollen den moderaten SW-Wind ausnutzen. Daher segeln wir auch nicht östlich an Tjörn und Orust vorbei, sondern im Innenfahrwasser westlich der beiden Inseln. Wir kommen durch ganz bezaubernde kleine Hafenstädtchen wie Kyrkesund, Mollösund und Gullholmen, wo das Fahrwasser die Dorfstraße ersetzt und die Schweden an statt im Garten auf ihrem Anlegesteg in der Sonne sitzen. Wir frühstücken unterwegs und mittags versorgt Walter uns mit heißen Würstchen und der letzten Scheibe Brot. Heute Abend brauchen wir mal einen Supermarkt. Als wir uns Kungshamn nähern überlegen wir, über Nacht hinter der Brücke (26 m) im kleinen Hafen Hasselösund zu bleiben. Walter kauft für das Abendessen ein und Miri und Mimi machen einen Spaziergang nach Smögen hinüber. Ich trage das Logbuch nach und klöne mit meinem Schwedischen Nachbarn, einem ehemaligen Vedding Inspektor bei Ölgesellschaften. Um 19 Uhr gibt es Abendessen, Nudeln mit Hacksauce, danach einen Kaffee / Espresso mit drei verschiedenen Schokoladen. Wie immer verwöhnt Walter uns. Abends ist der Wind eingeschlafen.

Einfahrt in den Sotenkanal

Einfahrt in den Sotenkanal

Am Mittwoch wollen wir es etwas gemütlicher angehen lassen, es ist ausschlafen angesagt. Bevor wir mittags loskommen fahren wir zurück nach Kungshamn (0.5 sm) zur Tankstelle. 49 l gehen rein, plus die 17 l auf Anholt macht das 66 l Inhalt. Ohne Overflow – ich weiß nicht warum sich der Tankwart in Strande immer so anstellt. Und beim letzten Mal nur 5 l reinbekommen hat. Dann motoren wir durch das bizarre Felsenfahrwasser in Richtung Sotenkanal. Wahnsinn, dass dieser Kanal mit Hammer und Spitzhacke durch den Felsen getrieben worden ist.

Fjällbacka im Abendlicht

Fjällbacka im Abendlicht

Am Ausgang des Sotenkanals setzen wir die G3 und das Großsegel mit dem 1. Reff und kreuzen bei NW 5 fleißig nach Norden. Außer uns ist niemand unter Segeln in dieser Richtung unterwegs. Durch den Hornösund brauchen wir einmal kurz die Unterstützung des Motors, aber er springt nicht an. Keinen Muckser. Kein Strom am Zündschloss? Zu eng, das hier und sofort genauer zu untersuchen. Wir machen kehrt und segeln einen kleinen Umweg durch die äußeren Schären. Später finden wir heraus, dass im Motorenhauptschalter wohl ein Wackelkontakt ist, der alte Schalter ist etwas ausgeleiert. Vor Fjällbacka springt der Motor wieder sofort an. Nach dem Festmachen machen wir eine kleine Runde durch den Hafen und das kleine Städtchen… viele Norweger… sehr touristischer Hafen… 400 Skr Hafengeld… Camilla Läckbergs Krimis spielen hier… und Ingrid Bergmann hat hier in den 50/60er ihre Urlaube verbracht. Abends ein blutroter Sonnenuntergang.

Vor Anker in den Schären bei Havstensund

Vor Anker in den Schären bei Havstensund

In Fjällbacka werden die Brötchen morgens nach Bestellung ans Boot gebracht, leckere helle und dunkle Brötchen. Gemächlich machen wir uns auslaufbereit. Auf halbem Weg nach Strömstad wollen wir heute irgendwo am Havstensund ankern. Bei WSW 3-4 kommen wir heute überall gut durch. Vor Grebbestad müssen wir zwei Kreuzschläge einlegen. Nachdem wir durch den Havstensund gesegelt sind biegen wir rechts ab und ankern in der Bucht westlich von Ängholmen. Die Plätze an den Felsen sind schon von Motorbooten belegt und wir legen uns neben eine Schwedische Halberg Rassy in die zweite Reihe. Mittagessen, Kaffee, Lesen, Faulenzen, Baden – genau so haben wir uns den Nachmittag vorgestellt.

Miri am Ruder, Mimi an der Seekarte

Miri am Ruder, Mimi an der Seekarte

Am Freitag die letzte kurze Etappe nach Strömstad. Miri und Mimi wollen in Strömstad wieder von Bord, von dort mit der Bahn zurück nach Göteborg und mit dem Auto weiter nach Norwegen, noch eine Woche Trekking in den Bergen. Morgens ist der Himmel noch grau, aber im Laufe des Tages reißt die Bewölkung auf und als wir in Strömstad ankommen, scheint schon wieder die Sonne. Der Wind ist mit SSW 3-4 wieder moderat und so wird es wohl auch die nächste Woche über bleiben. Wir liegen in der Marieholm Strömstad Marina und das Hafengeld ist mit Skr 290 fast „niedrig“, jedenfalls verglichen mit den Skr 400 in Fjälbacka. Heute Abend gibt es ein Geburtstags-Abschieds-Essen, denn Mimi hat heute Geburtstag. Mal sehen, was für eine Überraschung Walter heute Abend zaubern wird.

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