Eine Woche Rund Fünen

Nach Skandinavien… oder nach Dänemark!

Eine Woche Segeln? – am liebsten würde ich heute im Bett bleiben. Die letzten 14 Tage waren so stressig im Büro. Noch eine helle Wäsche waschen, frühstücken, Wäsche aufhängen, dann noch die rote Hose in die Waschmaschine. Duschen, die diversen Müll-Sorten runter in die Container bringen. Der gelbe Plastik-Müll ist schon proppenvoll. Klamotten habe ich fast alles an Bord, ein paar Socken kommen noch mit. Bevor es losgeht, muss ich noch ein paar Rechnungen überweisen. Dann bin ich endlich fertig. Bei Aldi besorge ich noch Wasser, Apfelschorle, Schweppes und ein paar Süßigkeiten.

Und…

Juchuuh! Ich brauche mich nicht mehr durch den Elbtunnel und durch Hamburg quälen. Seit ich umgezogen bin, fahre ich in Quickborn auf die A7 😀

In Strande haben wir seit ein paar Wochen eine Schranke an der Zufahrt zum Clubgelände. Samstag, 14 Uhr, und es sind noch reichlich Parkplätze vorhanden – unglaublich! Ausladen, ein Backfischbrötchen, die Bilge lenzen, den Wassertank füllen, die Strecktaue spannen – der Nachmittag vergeht wie im Fluge. Bald muss ich los zum Bahnhof in Kiel, um meine Mitsegler Walter und Miriam von der Bahn abzuholen.

Strande – Rudköbing (So, 24. Juni)

Heute schwächelt der Sommer noch etwas

Die Nacht hindurch regnet es mal wieder. Da der Kaufmann in Strande erst um 8:30 Uhr öffnet, gibt es zum ersten Frühstück an Bord Müsli. Persenning ab, Segel anschlagen, an der Tanke den Diesel-Tank auffüllen (40 l gehen rein, macht € 62,09). Hoch die Segel! Auf dem Weg nach Marstal erwischt uns immer mal wieder ein Schauer, aber zum Glück nur Niesel. Bei NNW 4 können wir den Kurs knapp anliegen. Wir beginnen, die Marstal-Rinne aufzukreuzen, bergen aber dann doch geschwind das Vorsegel, als wir einen Überläufer auf der Schotwinsch fabrizieren.

Rudköbing

Wir sind so früh dran, dass wir noch bis Rudköbing weiter segeln. Dort sind viele Boxen frei, sind eigentlich noch keine Sommerferien? Walter macht Spaghetti mit roter Sauce, lecker! Der Rotwein zum Essen zieht mir allerdings die Beine weg. Als ich später am Kartentisch das Logbuch schreibe fallen mir die Augen zu und ich lasse mich rückwärts auf die Hundekoje fallen. Bis Walter und Miri von ihrem Spaziergang zurück sind, schlafe ich süß und selig.

Rudköbing -Kerteminde (Mo, 25. Juni)

Sieht immer wieder knapp aus…

Morgens ist es wieder grau. Über Fünen sieht man Regen herunter kommen. Wir haben Wind aus WNW, zu Beginn reicht es sogar für 7 kn, aber im Laufe des vormittags wird der Wind immer weniger – dafür kommt die Sonne heraus. Der Wind ist unstet in Richtung und Stärke, mal segeln wir mit halbem Wind, mal hoch am Wind. Lundeborg zieht vorbei und aus dem Dunst schält sich die Große-Belt-Brücke heraus. Zwei Meilen vor der Brücke stirbt der Wind ganz, um kurze Zeit später aus ENE wieder zu kommen. Hoch am Wind mogeln wir uns unter der Brücke durch, dann dreht der Wind über E auf SE und wir baumen die Genua aus. Immerhin reicht es noch für 3.5-4 kn Fahrt.

Einer von vielen…

Kurz nach 17 Uhr sind wir in Kerteminde fest. Miri geht an den Strand, während Walter uns eine Pfanne Puten-geschnetzeltes in Curry mit gemischten Pilzen zubereitet. Zum Portugiesischen Rotwein aus dem Douro-Tal serviert Walter ein paar Anekdoten aus seiner Fliegerzeit. Abends fällt uns auf, dass am Ladegerät alle Lichter aus sind. Nanu? An allen Kabeln wackeln, Stecker auseinander und wieder zusammen, da funktioniert es wieder. Das werden wir genauer beobachten!

Kerteminde – Bogense (Di, 26. Juni)

Zum Schlus motoren wir, aber 2 Robben und 20 Schwinswale gesichtet

Pünktlich um 10 Uhr sind wir wieder unterwegs. Bei WSW 1 treiben wir allerdings mehr aus der Kerteminder Bucht heraus, als das wir segeln. Hinter der Huk von Stavreshoved kommt NNE-Wind auf und wir kreuzen nordwärts. Zunächst können wir auf Bb.-Bug fast der Küstenlinie folgen, dann dreht der Wind auf NW und wir können auf Stb.-Bug Kurs Nord, manchmal sogar 350 Grad anliegen. So macht das Kreuzen Spaß! Um 14:30 Uhr passieren wir die 5m-Rinne nördlich von Fynshoved. Noch steht der Wind durch und wir überlegen, heute noch bis Bogense zu segeln, da es in den nächsten Tagen ebenfalls schwachwindig werden soll.

Sommer Sonnenuntergang

Nachmittags wird der Wind immer weniger und um 17 Uhr müssen wir dann doch den Motor zu Hilfe nehmen. Als Entschädigung sehen wir zwei Robben und bestimmt 20 Schweinswale, die wir teils einzeln, teils in kleinen Schulen in respektvollem Abstand sichten. Nicht so schön, das Klo ist verstopft. Nach einigem Suchen stellen wir fest, dass der Hebel zum Öffnen und Schließen des Seeventils abgeschoren ist und man mit der Pumpe gegen das geschlossen Seeventil nur den Ablaufschlauch „aufpumpt“. So eine Sch…! Und schließlich diagnostizieren wir einen Kabelbruch im Landstromkabel am Stecker – Wackelkontakt. Da ist morgen wohl erst Basteln angesagt, und dann Segeln.

Bogense – Middelfart (Mi, 27. Juni)

Beim Brötchenholen besorgt Walter gleich einen neuen Stecker für das Landstromkabel. Der Wackelkontakt ist schnell gefixt. Das Seeventil können wir im Wasser nicht reparieren oder tauschen, dann muss für den Rest der Reise ein „Eimerchen“ den Job machen…

Unter der Autobahnbrücke

Als wir um viertel vor 11 Uhr auslaufen, hat sich auch schon etwas Wind eingestellt. Mit 5 kn segeln wir in Richtung Fredericia. Der Wind dreht langsam von NNW auf NE, nimmt langsam ab (mal wieder), vor der Autobahnbrücke haben wir kurz Flaute und dann kommt der Wind aus S-SE wieder. Bei SE 3-4 haben wir noch eine gute Stunde feinen Segelwind. Kurz vor 16 Uhr sind wir im Middelfart Lustbadehavn fest. Rechtzeitig, so dass Walter und Miri zum Public-Viewing des WM Spiels Korea – Deutschland gehen können. Ich klare derweil noch etwas an und unter Deck auf und verfolge das Desaster im Zeit-Online Life Blog. Oh je! Wenigstens ist das Wetter schön, der Strand am Hafen ist gut besucht und die Dänen versammeln sich vor dem Hafen zur Mittwochsregatta. Zurück an Bord liest Miri nach dem Spiel belustigt die Kommentare zum Spiel im Internet, während Walter „Fusili a la Marinada“ kocht. Nudeln mit Lachs und Krabben, mit Zwiebeln, in einer Weißwein Sauce. Wir werden wieder verwöhnt – wie immer, wenn Walter an Bord ist. Langsam dämmert es, und ein strahlend heller Vollmond steht am Abendhimmel.

Middelfart Hafentag (Do, 28. Juni)

Mittwochsregatta

Für heute haben wir einen Hafentag eingeplant. Vor dem Hafen fächelt zwar ein leichter Wind, aber weiter im Kleinen Belt sieht es spiegelglatt aus. Walter und Miri machen einen Ausflug Rund um die Halbinsel Slotsbanke, am Kongebro Yachthafen vorbei bis nach Middelfart Zentrum. Ich widme mich einer kleinen Portion dreckiger Handtücher, fege und wische unter Deck einmal durch, fülle den Wassertank (muß dazu erst die Hafenkarte aufladen – hier kiostet ALLES extra) und schmökere noch einmal in Astrid Erdmanns Buch „Die Weltumseglerin“. Das gefällt mir sehr, weil sie die gemeinsamen Reisen der Erdmanns noch einmal aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet.

Strand am Yachthafen von Middelfart

Nachmittags zum Kaffee sind die beiden Wanderer wieder da, abends gehen wir im Hafenkiosk eine Pizza essen. Die Pizzen scheinen sehr beliebt zu sein, während wir warten werden unzählige Pappkartons mit Pizzen zum Strand oder auf die Boote im Hafen getragen. Walter wird unruhig. Er hat Hunger, haben die uns denn vergessen? Zweimal fragt er nach. Nein, wir wären gleich die nächsten, versichert man ihm. Als unsere Pizzen endlich fertig sind, bringt der Chef sie persönlich, entschuldigt sich vielmals und stellt Walter noch ein Bier auf Kosten des Hauses hin. Aber das Warten hat sich gelohnt, die Pizzen sind oberlecker!

Middelfart – Sonderburg (Fr, 29. Juni)

So soll es sein, Wind von achtern, Sonnenglitzer von vorne…

Der Freitag verspricht ein genialer Segeltag zu werden. Sonne und Wind NNE 5, Backstagsbriese auf dem Weg nach Süden! Schon um viertel vor 9 Uhr sind wir auf der Piste, mit vollem Groß und G3 giebt SNAEDIS Vollgas: 8-9 kn im glatten Wasser! Im Årøsund kommt uns eine andere „Avance“ entgegen. vielleicht die „Ente“? Als wir näher kommen sehen wir, dass es die „Karolina 4“ von Lutz Spannuth ist, ein befreundeter Segler, der auch schon mehrmals das „Silver Rudder“ mitgesegelt ist. Mit einem Reff im Großsegel motort er gegenan. Da haben wir es besser getroffen heute. Der Wind hat etwas nachgelassen und mit ausgebaumten Vorsegel geht es Richtung Als-Fjord.

Vor der Brücke in Sonderborg drehen wir eine halbe Stunde Kreise. Am Ufer freuen sich vier Jugendliche und rufen „Deutschland! Deutschland! Alles ist vorbei!“ und halten uns ihren nackten Hintern entgegen. Wenn es ihnen Spaß macht…

„Karolina 4“ im Arösund

Um 16 Uhr sind wir in Sonderburg Yachthafen fest. Noch sind viele Plätze frei, aber der Hafen füllt sich schnell. Viele Dänem kommen am Freitagabend auf ihre Boote, im Clubhaus ist Party. Miri hat sich für heute nochmal Spaghetti gewünscht. In der Bolognese verschwinden auch die letzten Gummi-Möhren und Zwiebeln, dazu macht Walter einen Tomatensalat. Heute ist Reste-Essen, morgen in Maasholm wollen wir nocheinmal Fisch essen gehen.

Sonderburg – Maasholm (Sa, 30. Juni)

Heute Maasholm in der Schlei

Gestern hat der Wind sich wohl verausgabt, heute wieder eher weniger Wind. Und auch die Windvorhersage am Ausgang der Flensburger Förde mit dem vielen Land drumherum ist wohl nicht so einfach – jedenfalls kommt der angesagte NE-Wind aus SW, als wir auslaufen. Am späten Vormittag setzt Thermik ein und der Wind dreht über S auf ENE und wir segeln entspannt in Richtung Schlei. Wir kommen sogar ohne Kreuzschlag an Falshöft vorbei und können danach, als der Wind nocht etwas rechts dreht, genau die Ansteuerung von Schleimünde anliegen. Aus der Schlei spült uns das gestrige Hochwasser entgegen und vor dem Wind segeln wir langsam in die Schlei hinein. Auch in Maasholm sind wieder jede Menge Plätze frei – Wochenende.

Wir bummeln durch die Straßen, probieren als Snack zwischendurch schon mal ein Fischbrötchen, reservieren uns einen Tisch für heute Abend zum Fisch-Essen, Walter und Miri brauchen noch ein paar Postkarten für die Lieben zu Hause, und gehen an der Schleikante zum Hafen zurück. Walter liebäugelt damit, seine Jolle im nächsten Jahr hier an die Schlei zu legen. Da das Bummeln durch die Straßen dann doch nicht genug Bewegung war, machen Walter und Miri noch einen Ausflug in Richtung Seevogelschutzstation und abends gibt es leckeren Fisch im Restaurant „Schunta“.

Maasholm – Strande (So, 1. Juli)

Dieses unerträgliche Blau…

Heute liegen nur noch ein paar Meilen vor uns zurück nach Strande. Der Wind kommt zuerst aus SE, dreht dann aber gnädig weiter auf ESE und E und wir kommen wieder ohne einen Kreuzschlag in die Kieler Förde zurück. Zum Schluß ist es fast etwas viel Wind für die arme, alte Genua 1, aber nichts geht kaputt. Segel zusammenlegen, Persenning drauf, Klamotten zusammen packen, unten einmal durchfegen, ins Cockpit einmal den Wasserschlauch halten, dann sind wir auch schnell fertig. Ist das Boot auch richtig festgebunden? Hauptschalter aus? Noch einmal vom Steg einen Blick über das Boot schweifen lassen – wirklich an alles gedacht?

Walter und Miri fahren Montag früh mit der Bahn nach Hause zurück und haben sich für heute im B&B am Bahnhof eingemietet. So schnell ist die Woche schon wieder vorbei. Seit fast 10 Jahren segeln wir zusammen, das erste Mal sind wir 2010 nach Miri’s Abi zusammen nach Skagen gesegelt. Wie schnell die Zeit vergeht. Vielleicht wieder im nächstes Jahr?

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Krebse fangen in Marstal

Himmelfahrt nach Marstal

Über Himmelfahrt geht es das erste Mal aufs Wasser in diesem Jahr. Die Fertigstellung meiner neuen Wohnung in Norderstedt und die Planung des Umzuges rauben mir doch mehr Zeit als zunächst gedacht. Für das lange Wochenende haben sich schon lange meine Tochter Mara und ihr Freund Ole bei mir angemeldet. Die Windvorhersage für den Donnerstag ist E, später SE 4, nachmittags Gewitter. Wohin? Antje und Stefan wollen nach Lyø. Doris und Heiner wollen erst am Freitag los und sich dann mit Lasse in Marstal treffen. Marstal war auch meine Idee für heute. Nicht zu spät los, dann müssten wir gut rechtzeitig vor dem Gewitter ankommen.

Das Gewitter kommt

In der Strander Bucht ist nur leichter Wind aus NE, aber hinter Bülk haben wir schon die angekündigten E 4 und mit einem kleinen Schrick in den Schoten können wir Marstal gut anliegen. Wie schön, die Logge zeigt Dank des neuen Gebers mal wieder etwas an. Zehn Minuten später: „0 kts“??? Business as usual? Eine Alge? Später zeigt die Logge wieder etwas an, kurz darauf wieder nicht – das nervt!

Das waren amtliche Hagelkörner…

Was aber noch viel blöder ist, wir haben bei Schräglage richtig viel Wasser im Cockpit. Das steight durch die Lenzrohre hoch. Die alten, rissigen Gummiklappen, die bisher die Lenzöffnungen von außen verschlossen haben, hatte ich im letzten Winter abgebaut – nichts ahnend, dass diese so eine entscheidenenden Einfluß haben. Offensichtlich verschließen sie bei Fahrt entweder wirklich die Lenzöffnung (so steif wie die waren, eher unwahrscheinlich) bzw. sie erzeugen einen Unterdruck, der verhindert, dass die Wassersäule in den Lenzschläuchen höher als der Cockpitboden steigt. Das die Gummiklappen so wichtig sind, wer kann das denn ahnen? Nun fällt natürlich auch auf, dass die Gummidichtungen der Motorklappe im Cockpit nicht ganz dicht sind. Wenn in einer Ecke des Cockpits 30-40 cm Wasser stehen, läuft eine merkliche Menge Seewasser vom Cockpit in die Bilge. Merken wir natürlich auch erst, als die Bodenberetter kurz vor dem Aufschwimmen sind…

„Ente“ und „Snaedis“ nebeneinander

Wir sind rechtzeitig im Hafen und bauen das Cockpitzelt auf. Gewitter, kannst kommen! Auf dem Wetterradar können wir sehen, dass das Donnerwetter noch über Kiel liegt und auf Facebook posten Freunde von der Schlei „Weltuntergang“. Uns trifft es nicht ganz so arg. Eine gute Stunde dauert es noch, bis das Gewitter in Marstal angekommen ist. Etwas Wind, etwas Regen und amtlicher Hagel, aber nach einer Stunde ist es wieder friedlich. Für den Freitag ist Sonne und abnehmender Wind angesagt, wir machen daher einen gemütlichen Hafentag. Ausschlafen, spät frühstücken, das Boot trocknen, durch Marstal bummeln, kleiner Einkauf beim Super Brugsen, Kuchen für den Nachmittag. Ole fängt Krebse, Mara geniest die Sonne und ich überlege was wir auf der Rückfahrt machen können, um nicht unbemerkt „abzusaufen“. Einfach die Seeventile an den Lenzern schließen? Dann darf es aber nicht regnen oder spritzen beim Segeln…

Nice and Smooth Happy Sailing

Nachmittags kommt die „Ente“ mit Doris und Heiner und findet noch einen Platz direkt neben uns. Wie schön, die beiden „Avancen“ mal wieder nebeneinander. Am Samstag geht es für uns zurück nach Strande. Der anfängliche SE-Wind dreht später auf E und bei 3-4 Windstärken sind wir unter Genacker rasch wieder zurück in der Kieler Förde. Was für ein toller Segeltag. So kann es bleiben, in diesem Sommer, Sonne und Wind. Abends gehen wir im Clubhaus bei Julia & Mendy essen. Am Sonntag frühstücken wir noch gemütlich an Bord, klaren dann auf und sind schon mittags auf der Straße, um dem Himmelfahrts-Stau auf der Autobahn zu entgehen. Auf dem Wasser ist es heute feucht, kalt und nebelig, da muss man gar nicht Segeln. Ein perfekt ausgenutztes Wochenende.

Auch große Kinder mögen Krebse fangen

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Wetterkapriolen und Familienfeiern

Same procedure as every year…

In diesem Jahr ist es gar nicht so einfach, die Wetterkapriolen, die Familienfeiern und die Winterarbeit an der SNAEDIS zu koordinieren. Ostern und Geburtstage blockieren das eine oder andere Wochenende, die Temperaturen wollen nicht steigen und die Endphase des Neubaus meiner neuen Wohnung im „Frederik’s Hof“ in Norderstedt fällt auch in die Zeit Ende März bis Mitte April. Zum Glück habe ich noch reichlich Gleitzeitguthaben. Das heißt den Winterdreck abwaschen am Freitag 23. März, Sa/So frei für die Freundin, Abplanen am Montag 26. März, Ostern frei mit der Familie, Außenhaut polieren am Dienstag 3. April, Antifouling streichen am Freitag 6. April, Sa/So Geburtstagsfeier, Restarbeiten an Bord am Dienstag 10. April. Irgendwann am Wochenende am Boot gerabeitet? Nein, nur in der Woche.

Hängt schön in der Waage

Am Samstag 14. April ist der Termin für die Gemeinschafts-Slipaktion im KYC, und wie üblich stellen wir auf SNAEDIS und ENTE noch am gleichen Tag die Masten. Da am gleichen Tag aber auch noch die ZUKUNFT IV (genannt „Kuh“) geslippt wird, sind wir mit unseren Masten in diesem Jahr ziemlich spät dran. Alle Drähte drehe ich nur „handwarm“ fest, sodass die Palme nicht umkippen kann. Kojenpolster an Bord, Segel anschlagen und Rigg trimmen, das schaffe ich erst am Wochenende danach.

Fertig!

Parallel dazu findet auf der Baustelle in Norderstedt die technische Vor-Abnahme der Wohnung statt, die Küche wird geliefert (Möbel-Kraft braucht fünf Termine dazu), die End-Abnahme der Wohnung erfolgt und ich beginne mit dem Umzug der Regale im Keller, von Glas und Geschirr, dem Abbauen von Möbeln, Schränken und Regalen und dem Einpacken der Umzugskartons. Und zwischendurch bekomme ich tatsächlich die SNAEDIS so weit fertig, dass ich (wie versprochen) mit Tochter Mara und ihrem Freund Ole über Himmelfahrt segeln gehen kann.

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Absegeln auf der ENTE

Die ENTE ganz links im Bild, beim Start

Vor 14 Tagen war ich mit Freunden auf der Förde unterwegs und beim Segel bergen tat der Motor mal wieder keinen Mucks. Ganz offensichtlich ein elektrisches Problem am Motorpanel im Cockpit. Ich war so genervt, dass ich zurück im Hafen Heiner fragte, ob auf der ENTE noch ein Platz beim Absegeln frei sei. So kam es, dass ich in diesem Jahr beim Absegeln „um die Wurst“ nicht mit der SNAEDIS, sondern auf der ENTE unterwegs war. Traditionell geht es bei uns im KYC schon seit vielen Jahren zum Absegeln nach Eckernförde, hin mit einer Regatta und zurück jeder wie er will, abends essen wir gemeinsam meist im „Luzifer“ oder auch mal in der „Siegfried-Werft“.

Nach dem Runden der Luvtonne

Am Samstag war wenig Wind angesagt. Morgens war es noch spiegelglatt auf dem Wasser, aber pünktlich kurz vor dem Start um 11 Uhr zeigten sich in der Strander Bucht kleine Kräuselungen auf dem Wasser. Die Regattaleitung hatte die Startlinien in der Nähe der „Faber+Münker“ Tonne ausgelegt mit Kurs zur Kleverberg E als Luvtonne. Langsam versammelte sich das Feld von 27 Booten im Startgebiet. Tuuut! Noch 10 Minuten. Die meisten hielten Sich an der See-seitigen Begrenzung der Startlinie, um auf Backbordbug am Startschiff zu starten. Die andere Seite der Linie war leicht bevorteilt, also durchaus eine Alternative weiter in Lee zu starten. Tuuut! Noch 5 Minuten. Heiners Idee war dann auch, vor dem ganzen Pulk herzufahren und mit freiem Wind ganz in Lee außerhalb des Gedränges zu starten. In Luv deckte die „Kuh“ alle kleineren Boote ab, von Lee kam Peter Hecht mit der SVEA und verlangte Raum, aber wir waren genau bei Null mit freiem Wind an der Linie.

Halben Wind zur Tonne Stollergrund S

Auf der Kreuz hielten wir uns ziemlich auf der linken Seite, aber insgesamt hatte wohl keine Seite einen entscheidenden Vorteil. Die drei Luffe 37 im Feld gingen alle knapp vor uns um die Luvtonne, aber unser Manöver den Spinnaker zu setzen klappte am Besten. Stefan und Antje waren nur zu zwei auf dem SCHRAT und bekamen ihren Spinnaker nicht so schnell zum stehen und dann waren wir vorbei. Knapp in Luv von uns lag Berend Terveer mit der AGLAIA. Entweder hatte Berend die Schot zu dicht, oder sein breiter Downwind Spinnaker war auf dem spitzen Kurs zur Stollergrund S nicht so schnell wie der etwas flachere Spi der ENTE. Jedenfalls fuhren wir Berend in Lee durch. Erstaunlich, dass das unter Spi geklappt hat. Ein ganzes Stück in Luv Birger Brand mit der UDVEIJ, war auch irgendwie langsamer als wir. Bis zur nächsten Tonne konnten wir unsere Position halten. Von der Stollergrund S ging es dann platt vor dem Laken zur Mittelgrund E. Auf halber Strecke kamen die drei Luffe 37 von achtern auf, aber dann fielen sie wieder zurück.

Skipper Heiner

Vor uns die „Kuh“ und einige andere größere Boote konnten sich auch nicht so recht von uns absetzen. Von der Mittelgrund E zur Warngebiet 8a würde der Wind sehr spitz kommen. Was machten die Boote vor uns? Die „Kuh“ nahm den Spi weg, LUTZIFER versuchte es mit Spi, aber es sah nicht so aus, dass sie die Höhe halten konnten. Vor der Tonne noch eine Halse, Vorsegel klar für Steuerbord-Bug, Vorsegel hoch, Spi weg, perfekt. Zu unserer Überraschung hatte die Regattaleitung die Bahn verkürzt und nahm die Zeiten schon an der „8a“. Nach dem „Tuut“ für den Zieldurchgang setzten wir wieder den Spinnaker und segelten vor dem Wind gemütlich in die Eckernförder Bucht hinein. Gegen 16 Uhr waren wir schon im Hafen „am Jaich“ fest.

An den Fallen: Gustav, Vorschiff: Uwe

Abends Siegerehrung nach dem gewohnt leckeren Essen im „Luzifer Eckernförde“. Wir waren natürlich gespannt, wie groß der Vorsprung der großen Boote vor uns gewesen war und ob es für die ENTE nach berechneter Zeit für den ersten Platz gereicht hatte? Die „Kuh“, oft ein Aspirant auf den Gesamtsieg, kam heute berechnet nur auf dem 7. Platz. Und die anderen „Großen“, die vor uns im Ziel waren? Die X-41 auf dem 10. Platz, die Dehler 46 auf dem 6. Platz, die J/120 auf dem 4. Platz und die LUTZIFER (eine modifizierte Bavaria 38 Match) auf dem 2. Platz. Breites Grinsen bei uns am Tisch, „…und die ENTE mit Skipper Hans-Heinrich von Maydell auf dem 1. Platz“. Yeaaah!

Matchrace mit AGLAIA

War der Samstag noch sonnig und spät-sommerlich schön gewesen, zeigte sich der Sonntag für die Rückfahrt eher herbstlich grau. Mit etwas mehr Wind, aber dafür mit einigen Schauern zwischendurch. Auf der Kreuz aus der Eckernförder Bucht hinaus gelangen uns ein paar schöne Fotos von der AGLAIA und nachmittags kam sogar noch die Sonne heraus, die feuchten Segel etwas zu trocken. Wieder ein gelungenes Absegelwochenende. Und das Beste, nachdem ich auf der SNAEDIS die Kontakte und Stecker hinter dem Motorpanel großzügig mit „wet.protect“ eingesprüht hatte, springt der Motor so gut an, wie eh und je…

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Die kürzeste Sommerreise ever

Einhand-Fotografie

Nach den Problemen mit meinem rechten Sprunggelenk Anfang der Saison bin ich inzwischen wieder weitgehend beschwerdefrei und meine jüngere Tochter Mara möchte noch ein paar Tage mit mir segeln. Das wird die kürzeste Sommerreise ever – von Donnerstag, den 10. August bis Sonntag, den 13. August haben wir Zeit, eigentlich also nur ein längeres Wochenende. Zusammen mit Mara’s Freund Ole wollten wir ein die Dänische Südsee unsicher machen. Mara ist gerade vom Sommerlager mit den Pfadfindern aus dem Schwarzwald wieder da und hat gemeinsam mit Ole schon überlegt, was wir am Mittwochabend beim Sky in Schilksee einkaufen wollen.

Kurs Marstal

Am Donnerstagmorgen geht es los. Wind WNW 2-3, später rechtdrehend und abflauend. Wohin? Schlei? Bei der Windrichtung wohl eher nicht, vielleicht lieber nach Marstal. Und die nächsten Tage? Mal sehen, wo der Wind uns hinweht. Das Wetter ist ganz passabel. Es regnet nicht, es ist nicht zu viel Wind. Richtig sommerlich ist es allerdings auch nicht. Zunächst läuft es ganz gut, aber je mehr der Wind nach rechts dreht, desto mehr nimmt er auch ab. 6 kn, 5 kn, 4 kn, dann noch 3 kn, „Papa, wir dümpeln!“. Das war schon früher immer das Signal zum Bergen der Segel und zum Starten des Motors. Eine Stunde motoren wir, dann sind wir in der Marstal-Rinne. Belustigt denke ich an eine Rückfahrt vom „Silverrudder“ vor ein paar Jahren, als alle Tonnen der Rinne „weg“ waren. Der Süd-setzende Strom in der Rinne war damals so kräftig, dass er alle Tonnen komplett unter Wasser gedrückt hatte. Nur ab und zu tauchte eine bunte Zipfelmütze auf. Blindflug! Abends gibt es Bratwürstchen mit Pellkartoffeln und selbst gemachtem Quark mit Gurke und Knoblauch. Also eigentlich Tsatsiki. Ober-lecker, was Mara da gezaubert hat.

Sonnenuntergangs-Stimmung

Am Freitag ist es bedeckt und Wind haben wir aus NNW. Am Samstag soll es den ganzen Tag regnen und kräftig aus SW wehen. Eigentlich hatten wir Ærøskøbing angepeilt, aber was machen wir dann am Samstag? Im Regen nach Sonderburg kreuzen? Wir entscheiden uns dafür, schon heute nach Sonderburg zu segeln (unten herum um Ærø kann man das prima anliegen) und am Samstag einen Shopping- und Faulenzer-Tag einzulegen. Kurz vor Vejsnaes Nakke überholen wir ein etwas kleineres Warship. Die Crew hat irgendetwas in das Vorsegel gemalt. Als wir vorbei sind, können wir es lesen, der Skipper hat seiner Mitseglerin einen Heiratsantrag gemacht! Wie niedlich! Wie alt der Antrag wohl ist? Das Segel sieht schon älter aus. Um 16 Uhr sind wir in Sonderburg fest. Wir haben einen Liegeplatz mit Wind von achtern und bauen das Cockpitzelt auf. Von uns aus könnte es jetzt anfangen mit dem Regen. Abends Tortellini in Sahnesauce, mit Knoblauch abgeschmeckt.

Ole und Mara

Der Samstag ist wirklich ungemütlich. Ausschlafen, frühstücken, abwaschen, lesen, spielen. Mittags ist es weniger grau am Himmel. Mara und Ole nutzen die Gelegenheit zum Shoppen in der City. Heute Abend soll es Fisch geben und außerdem braucht Mara noch ein Geburtstagsgeschenk für Oma. Ich treffe meine Arbeitskollegin Nina, die auch die letzten Tage auf Sommerreise sind. Sie wollen nachher noch auslaufen und bis in die Schlei. Na, denn mal viel Glück. Später im Büro erzählt sie, dass sie gerade noch trocken aus dem Hafen heraus gekommen sind und dann noch einen richtig schönen Regenguss abbekommen haben. Später läuft mir noch ein ehemaliger Arbeitskollege über den Weg. Herr Issleib ist schon lange Rentner, aber er hat immer noch als Freelancer gearbeitet. Jetzt immer noch? „Nö“, meint er, „ich bin ja nun schon über 80, jetzt segel ich nur noch. Das hält fit!“ Na, denn mal alles Gute! Abends Schollenfilet mit Kartoffelpüree, den Fisch in Zwiebel und Knoblauch gebraten. Zum Teller ablecken!

Raumschot in Richtung Bülk

Am Sonntag geht es gemütlich nach Hause. Halber Wind, 4-5 Windstärken. Keine Geschwindigkeitsrekorde heute. In einer Bö kommen wir mal auf knapp 9 kn, aber das war es dann auch schon. Schade, ich hatte mich heimlich auf etwas mehr Wind gefreut. Wir sind zeitig wieder in Strande, klaren an und unter Deck auf. Es müffelt immer noch hartnäckig nach Fisch, selbst nachdem wir Pantry und Boden mit Essigreiniger bearbeitet haben. „Ob nicht doch irgendwo ein Stück Filet neben den Herd gefallen ist?“, ziehe ich Mara auf. Aber sehen kann man nix – nur riechen. Zum Abschluss der Sommerreise gehen wir bei Alexy’s ein schönes Bauernfrühstück essen und dann geht es zurück nach Hause. Morgen muss ich in den nächsten Urlaub. An Land, mit meiner kleinen Freibeuterin 🙂

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35 Jahre Abi

Susann an der Pinne

Seit 2013 bin ich jedes Jahr mit meinen Schulfreundinnen Susann und Britta ein Wochenende mit der SNAEDIS unterwegs. Letztes Jahr mussten wir einmal aussetzen, weil ich im Sommer in Norwegen unterwegs war, aber in diesem Jahr hat es wieder geklappt. Britta ist gesundheitlich nicht ganz auf dem Damm, aber sie will uns abends mit dem Auto besuchen kommen. Susann schlägt vor, abends in Maasholm essen zu gehen, sie hat einen Tisch im „Schlei-Eck“ reserviert. Und weil unser Jahrgang es in diesem Jahr nicht geschafft hat, eine 35-Jahre-Abi-Feier auf die Beine zu stellen beschließen wir für uns, dass dies unsere ganz private 35-Jahre-Abi-Feier sein wird.

Spaziergang zum „Schlei-Eck“

Am Samstagvormittag ist Susann pünktlich um 10 Uhr in Strande. Es sind zwar Gewitter im Anzug, aber wir wollen erstmal los – notfalls können wir ja umdrehen und nach Strande zurück segeln. Und bis in die Schlei ist es ja eh nicht weit. Wir haben E5, in Böen 6 und vor Strande ist es etwas holprig. Ein kurzer Schlag in Richtung Fahrwasser, Wende, Kurs Bülk und dann können wir schon Richtung Damp abfallen. Das Wetter ist grau, aber noch ist es trocken. Susann steuert und wie immer sind wir schnell bei Erinnerungen an die Schulzeit und was alles in den letzten beiden Jahren so passiert ist. Susann hat begonnen in Duisburg zu arbeiten, möchte aber nach wie vor ihr Zuhause in Mainz nicht aufgeben. Beruflich macht ihr die neue Herausforderung viel Freude, aber ihr soziales Umfeld leidet etwas darunter nicht mehr so ganz in Mainz und noch nicht wieder so richtig in Duisburg zu Hause zu sein.

Abendstimmung

Vor dem Wind segeln wir in die Schlei, auf dem Weg in Richtung Maasholm kann ich schon mal in Ruhe des Vorsegel einsammeln und die Leinen klar legen. Vor dem Hafen das Großsegel weg und – der Motor springt nicht an. Das hatte ich doch schon mal… Eine Dänische LM schleppt uns netterweise in den Hafen bis an den Außensteg. Der Motorhauptschalter hat es nun endgültig hinter sich. Schnell den Schalter überbrückt, damit können wir übers Wochenende gut leben. Die viertel Stunde, die das Abschleppen und die Reparatur wohl gedauert hat, war allerdings schon zu lange, es hat angefangen wie aus Eimern zu schütten und im strömenden Regen verholen wir auf unseren Liegeplatz am Steg A2 und bauen die Cockpit-Persenning auf. Erstmal die nassen Sachen zum trocknen aufhängen, dann gibt es einen Kaffee und den leckeren Kuchen, den Susann mitgebracht hat. Kurz danach ist auch Britta da. Später hört es auf zu regnen und sogar die Sonne lässt sich etwas blicken.

„Tschüß Britta!“

Der Dorsch im „Schlei-Eck“ ist lecker, das Espresso-Panacotta originell. Nur Susann hat irgend etwas an dem Essen nicht vertragen. Ob ein Schnaps geholfen hätte? Susann möchte noch etwas laufen und wir gehen eine große Runde über Maasholm-Bad und das NEZ Maasholm (Natur Erlebnis Zentrum) und über den Deich entlang zum Hafen zurück. Am Sonntagmorgen regnet es schon wieder ohne Pause. Wir lassen es langsam angehen, frühstücken gemütlich und klönen weiter. Britta ist vor kurzem aus ihrer vom Schimmel verseuchten Wohnung ausgezogen und hat sich passenderweise genau zum Umzug ein Bein gebrochen. Und wie es denn mit meinem Liebesleben aussieht? Beide sind neugierig auf Neuigkeiten von mir und meiner kleinen Freibeuterin. Mittags hört der Regen auf und der Wind dreht verabredungsgemäß auf WSW. Los geht’s! Britta hilft uns noch beim Ablegen, Segel hoch, vor dem Wind segeln wir wieder aus der Schlei hinaus. Den Kurs nach Hause, innen am Sperrgebiet entlang, können wir locker anliegen.

Lasse mit der „Port Tudy“

Auf dem Stollergrund nähern wir uns einer Vindö 40, man winkt uns freundlich zu. Auf die Entfernung kann ich nicht erkennen, wer das ist. Vielleicht mein bester Freund Achim mit der Familien-Vindö „Ile de Groix“? Oder einer seiner Brüder Thomas oder Andreas? Nein, es ist Lasse mit der „Port Tudy“, dem Schwesterschiff der „Ile“. Von Land her ziehen einige Schauerböen in Richtung Wasser, aber es ist nicht arg zu viel Wind darin. Ich freue mich immer wieder, wie flexibel die SNAEDIS mit dem 3/4-tel Rigg ist und wie viel Druck man aus dem Großsegel nehmen kann, wenn man es ganz flach trimmt und/oder oben ganz offen fährt. Schnell sind wir in Strande zurück. Nach der letzten Schauerböe  kommt die Sonne heraus, sodass wir sogar noch die Cockpit-Persenning und das Vorsegel trocknen können. Eigentlich haben wir doch noch Glück mit dem Wetter gehabt. Zum Abschluss des Wochenendes gibt Susann noch ein Fischbrötchen aus und wir genießen die letzten Momente in der Sonne am Fischersteg. Das war wieder schön 🙂

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Familiennachmittag

Brigitte, Uwe, Karsten

Sooo lange haben wir das schon vorgehabt, ein Familiennachmittag auf der SNAEDIS. Endlich hat es geklappt. Am Sonntag bin ich mit meiner Schwester Brigitte, ihrem Mann Karsten und meiner Nichte Lina verabredet. Und das Wetter spielt auch mit, was in diesem Jahr ja nicht unbedingt selbstverständlich erscheint. Als ich morgens aus dem Niedergang schaue schon strahlend blauer Himmel, nur noch kein Wind da. Aber das wird schon noch, denke ich mir. Mittags kommen die drei über die Promenade und winken mir schon vom weiten zu. Total pünktlich. Karsten möchte am liebsten sofort los „Du hast doch schon die Segel angeschlagen und alles fertig…“, aber Brigitte und Lina sind etwas entspannter, „Erstmal ankommen…“ Hihi, ich freue mich, das wird bestimmt nett. Inzwischen ist auch etwas Wind da, eine richtige Kaffee-Brise, 2-3 Windstärken aus ENE. Da können wir schön einmal zum Leuchtturm segeln und wieder zurück. Nachdem wir etwa geklönt haben und alle an Bord „warm“ geworden sind, laufen wir aus.

Meine Nichte Lina

Wie bequem, mit Crew unterwegs zu sein, so brauche ich die Segel nicht alleine hoch zu ziehen. „Puuh, warum geht das denn so schwer?“, Karsten muss sich richtig anstrengen. Das große Großsegel, durchgelattet, mit vier langen Latten, finde ich auch immer etwas mühsam. In der Strander Bucht liegt ein Containerschiff vor Anker, der spart sich wohl die Liegegebühren oder hat noch Zeit, bis er durch den Kanal geht. Am Wind segeln wir aus der Förde hinaus in Richtung Leuchtturm. Auf dem Wasser ist es etwas kühler, als man es sich an Land vorstellt. Brigitte und Karsten packen ihren „Picknick-Korb“ aus. Karsten hat frische Brötchen gebacken. Mmmh, sehr lecker. Lina freut sich, endlich mal mitsegeln zu können und ist froh, dass das Wetter so freundlich ist. Sie war sich nicht sicher, ob sie bei mehr Wind und Welle seekrank wird.

Sonne und Kaffee-Brise – herrlich!

Meine Schwester und ich sind Halbgeschwister, wir haben den gleichen Vater, aber zwei verschiedene Mütter. Und unser Vater ist gestorben, als Lina noch ganz klein war, sie hat also kaum Erinnerungen an ihren Opa und kennt daher nur die Erzählungen der einen Familienseite. Bald kramen wir in alten Erinnerungen wie das war mit Opa Klaus und (meiner) Oma Inge und (ihrer) Oma Charlotte und was ich für Erinnerungen habe. Lina entschuldigt sich diverse Male dafür, dass sie so neugierig ist, aber mir macht es Spaß davon zu erzählen. Ein ganzes Stück hinter Kiel Leuchtturm gehen wir auf Gegenkurs und segeln in Richtung Strande zurück.

Blick in die Genua

Wie so oft, auf dem Weg zum Kiel Leuchtturm ist es frisch, weil der Wind von vorne kommt, und auf dem Weg zurück ist es kalt, weil man genau im Schatten der Segel sitzt. Lina setzt sich nach vorne aufs Vorschiff und in den Bugkorb, um ein paar wärmende Sonnenstrahlen zu erhaschen, aber dort merkt man die Schiffsbewegungen viel mehr und nach einiger Zeit kommt Lina lieber wieder zu uns ins Cockpit zurück. Bald sind wir in Strande zurück. Nach dem Aufklaren verabschieden sich die drei, müssen noch rasch zu einer Geburtstagsfeier in Kronshagen. Wenn ich nachher nach Hause fahre, werde ich Lina dort einsammeln und sie mit zurück nach Hamburg nehmen. Für mich gibt es zum Wochen-Ende noch einen Kaffee und das allerletzte Fischbrötchen in der Auslage, Kräutermatjes. Lecker, besonders das krosse Brötchen.

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Pfingsten an der Schlei

Schleifähre Missunde

…mit dem Auto. Seit einiger Zeit habe ich wieder Probleme mit meinem rechten Sprunggelenk, wie vor drei Jahren. Und der Arzt hat mir damals sehr anschaulich erklärt, was passieren kann, wenn der lose „Knorpel Knochen Flake“ ins Gelenk rutscht. Das ist Gott sei Dank nicht passiert, aber spontan habe ich alle Verabredungen abgesagt, die mit Segeln zu tun haben. Ärö-Rund, Gästesegeln und die Sommerreise mit der „Kuh“. Ich merke, wie unsicher ich mit dem lädierten Fuß schon an Land bin. Segeln mit der Jugendabteilung, insbesondere Regatta oder non-stop nach Tallin, das ist mir im Moment zu heikel. Fühlt sich nicht gut an, so viele Menschen enttäuschen zu müssen. Zum Glück hat Niklas schon einen Plan-B für Ärö-Rund, und für die Sommerreise findet sich hoffentlich auch eine Lösung. Katrin und Achim laden mich zum Pfingst-Familientreffen an die Schlei ein, darüber freue ich mich sehr. Viele Freunde, die zu Thomas nach Brodersby kommen.

Geht doch…

Den Sonntag verbringe ich in Strande an Bord. Vormittags Regen, nachmittags wird es freundlicher. Alle Freunde sind mit dem Boot unterwegs. Ist ja doch irgendwie blöd an Bord, ohne Segeln. Ich habe ein spannendes Buch mit, aber die Gedanken schweifen immer wieder zum Fuß. Und was, wenn? SNAEDIS nachrüsten mit Rollfock, Einleinenreff und Bugstrahlruder? Oder lieber verkleinern in Richtung Motorsegler? Oh, Mann, was für Gedanken! Am Montag Sonnenschein und leichter Wind. Wenn ich noch einen Tag hier im Cockpit verbringe ohne zu segeln, steht die SNAEDIS am Ende der Saison zum Verkauf, das spüre ich. Was hilft dagegen? Doch aufs Wasser! Vorsichtig, mit Bandage und kleinen Segeln einmal zur Stollergrund N und wieder zurück. An Deck bewege ich mich langsam. Ich muss Drehbewegungen und schräge Belastungen vermeiden, dann geht es besser als gedacht. Bis das geklärt ist, muss ich wohl kleine Brötchen backen…

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AAR Crewanforderungen

ARC2002, Ankunft in der Karibik

Auf meinen letzten Post gab es auf Facebook zwei Kommentare bezüglich der Anforderungen an die Crews der Atlantik-Reise. Ein Facebook-Freund, den ich nicht näher kenne, kommentierte, „Schade, dass über die normalen Führerschein-Kenntnisse herausgehende Qualifikationen gefordert werden“ (der Kommentar ist inzwischen gelöscht worden, aber sinngemäß, glaube ich, war er so) und ein Kommentar von Susanne von der SY „Zora“ bzw. SY „Sieben“, „Ich finde schon, dass man mehr können sollte, als bei den Prüfungen zum amtlichen Schein (SBF See, SKS) gefordert wird.“

Wie waren die Anforderungen für diese Reise?

Für den Atlantik und die Biskaya (Kategorie 1) für den Skipper: SHS bzw. C-Schein und für die beiden Wachführer: SSS bzw. BK-Schein. Für alle anderen Etappen (Nordsee, Englischer Kanal, Europäische Atlantikküste, Karibik, Antillen, US-Küste – Kategorie 2) für den Skipper und die beiden Wachführer: SSS bzw. BK-Schein. Zusätzlich den Sportbootführerschein und je nach Fahrtgebiet ein SRC/LRC Zertifikat. In der Crew zwei Personen mit Sani-Ausbildung (oder Arzt); ferner Skipper, Wachführer und 30% der Crew mit ISAF-Zertifikat.

Von den Skippern und Wachführern erwartet der Verein, dass sie bereits praktische Erfahrung als Skipper/Wachführer auf großen Yachten auf mehrtägigen Offshore Fahrten haben, weiterhin sollen mindestens 1/3-tel der Crew Erfahrung auf mehrtägigen Offshore Fahrten haben. Die Skipper müssen zusätzlich eine „Trimmerlaubnis“ für die „Kuh“ ablegen. Die Crew soll den Anforderungen der Reise in den jeweiligen Fahrtgebieten physisch und psychisch gewachsen sein.

Alle diese Forderungen finde ich gut nachvollziehbar und nicht unbedingt ungewöhnlich. Die Anforderungen gehen eigentlich nicht über die der amtlichen Führerscheine hinaus, jedoch will man eine Crew haben, die etwa zur Hälfte bereits Hochsee-Erfahrung hat. Das macht Sinn und gibt dem Skipper die Sicherheit, dass er das Boot notfalls mit dieser Hälfte der Crew segeln kann.

Einen ISAF-Lehrgang (typischerweise über ein Wochenende) kann ich nur jedem empfehlen, egal ob Segler mit oder ohne amtlichen Führerschein, weil einem dort komprimiert und praxisnah vermittelt wird, was alles bei längeren Fahrten über See wichtig sein kann:

Theoretischer Teil:
• Pflege und Instandhaltung der Sicherheitsausstattung
• Sturmsegel – Anwendung und Handhabung
• Schadenskontrolle und Reparatur
• Schweres Wetter – Vorbereitung und mentale Einstellung
• Person über Bord
• Unterstützung für andere Schiffe
• Unterkühlung
• SAR Organisation und Methoden
• Wettervorhersagen

Praktischer Teil (im Wellenbad Eckernförde bzw. bei der Firma Netlitz in Kiel):
• Rettungsinseln und Rettungswesten, Überlebenstraining See, Abwinschen
• Brandvermeidung und Brandbekämpfung, Fettbrand
• Herz-Kreislauf Wiederbelebung und Erste Hilfe
• Pyrotechnik und EPIRBs
• Leckabwehr

Die Forderung, dass Wachführer und Skipper bereits praktische Erfahrung als Skipper oder als Wachführer auf großen Yachten auf mehrtägigen Offshore Fahrten haben sollen und die Skipper eine „Trimmerlaubnis“ ablegen müssen, finde ich ebenfalls unbedingt für erforderlich. Der Verein legt die Verantwortung für das 16 m Boot und die Crew von bis zu 10 Personen in die Hand von Skipper und Wachführer und muss gewährleisten, dass diese die geplanten Etappen unter allen möglichen Wetterbedingungen pünktlich und vor allen Dingen sicher absegeln können. Und wenn man das Segeln auf 10-12 m Booten gewöhnt ist, sind 16 m definitiv ein sehr großes Boot.

Die Forderung nach der physischen und psychischen Fitness der Crew muss man in Zusammenhang mit der Ausrüstung der „Kuh“ verstehen. Anders als eine gleichgroße private Fahrtenyacht hat die „Kuh“ keine Kuttertakelung, keine Rollvorsegel, keine Lazy-Jacks, keine Ankerwinde (weder mechanisch, noch elektrisch), keine elektrisch betriebenen Fall- oder Schotwinschen, keine Selbststeueranlage, kein Bugstrahlruder. Also nichts, was einem irgendwie die Arbeit erleichtert. Ganz im Gegenteil, die Vorsegel werden im Profilvorstag gefahren, nicht an Stagreitern. Das heißt, wenn ein Vorsegel geborgen wird, muss die Crew auf dem Vorschiff jede Menge Quadratmeter frei fliegendes Segeltuch bändigen – schon bei moderatem Wind eine Aufgabe für viele Hände.

Auf längeren Seestrecken ist es üblich, dass das stehende und laufende Gut regelmäßig überprüft wird. Also, einmal in die Spibaumnock, die Schot auf Schamfilstellen checken, dann in den Masttop, die Fallen und Rollen checken, auf dem Weg nach oben die Wanten und Salingsbeschläge in Augenschein nehmen, auf dem Weg zurück nach unten die Segmente des Profilvorstages prüfen. Auf kurzen Etappen mag es ausreichend sein, dies im Hafen vor der Abfahrt und nach der Ankunft zu tun, aber auf längeren Etappen muss dies auch auf See erledigt werden. Und Schäden bei Schlechtwetter, die die Sicherheit des Schiffes beeinträchtigen? In solchen Situationen muss die Crew eben auch körperlich in der Lage sein, die Reparaturen auf See durchzuführen, auch oben im Mast und auch unter widrigen Bedingungen.

Und sonst noch? Das Steuern nur mit den Segeln bei festgesetztem Ruder? An- und Ablegen unter Segeln? Ja, das ist etwas, was typischerweise nicht in Prüfungen verlangt wird. Leider! Aber meiner Meinung nach sind das Grundfertigkeiten, die jeder Segler auf oder mit seinem Boot beherrschen sollte. Ich finde es wirklich bedenklich, dass es Segler gibt, die sich in Seenot wähnen (oder es tatsächlich auch sind), nur weil ihr Motor nicht funktioniert…

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AAR Planungen abgebrochen

Die KUH beim Start zum Absegeln

„Vorstand, Organisationsteam und Schifferrat des KYC haben am vergangenen Sonnabend gemeinsam die Entscheidung getroffen, die Planungen für die Atlantikreise der ZUKUNFT IV abzubrechen. Seit vielen Monaten hat die Projektgruppe mit viel Zeit und Engagement daran gearbeitet, die Reise möglich zu machen. Letztendlich konnten leider einige Etappen nicht mit den notwendigen Crews besetzt werden, die eine sichere und verlässliche Gesamtreise ermöglicht hätten. Da die Fortsetzung des Projekts ab diesem Zeitpunkt erhebliche Kosten ausgelöst hätte, wurde der Abbruch aus der Abwägung von Sicherheitsinteressen und finanzieller Planbarkeit leider alternativlos.

Allen, die Ihr Interesse für diese Reise signalisiert haben, danken der Club herzlich dafür und bittet um Ihr/Euer Verständnis und Unterstützung für diese Entscheidung. Unser Club wird wie immer auch in 2017 und 2018 erlebnisreiche und schöne andere Reisen mit unseren verschiedenen Schiffen durchführen! Vielleicht ist die Absage der Atlantikreise deshalb für den einen oder anderen der Startpunkt für eine ganz andere Reise. Wir würden uns freuen!“

Was für eine Enttäuschung! Damit hätte ich nie gerechnet, als die Planungen für diese Reise begonnen haben…

Andererseits hatte ich als potentieller Skipper einen Einblick in die Planungen und die Zusammensetzung der gemeldeten Crews und nachdem der Schifferrat auch uns Skippern seine Überlegungen und Anforderungen nach der Skipper-Einweisung erläutert hatte, kann ich die Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt gut nachvollziehen. Für alle Beteiligten bleibt die Frage, was man hätte anders machen können und ob wir im Verein grundsätzlich unsere Ausbildungsziele und Strukturen ändern müssen, wenn wir solche Reisen in Zukunft durchführen wollen.

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