Absegeln auf der ENTE

Die ENTE ganz links im Bild, beim Start

Vor 14 Tagen war ich mit Freunden auf der Förde unterwegs und beim Segel bergen tat der Motor mal wieder keinen Mucks. Ganz offensichtlich ein elektrisches Problem am Motorpanel im Cockpit. Ich war so genervt, dass ich zurück im Hafen Heiner fragte, ob auf der ENTE noch ein Platz beim Absegeln frei sei. So kam es, dass ich in diesem Jahr beim Absegeln „um die Wurst“ nicht mit der SNAEDIS, sondern auf der ENTE unterwegs war. Traditionell geht es bei uns im KYC schon seit vielen Jahren zum Absegeln nach Eckernförde, hin mit einer Regatta und zurück jeder wie er will, abends essen wir gemeinsam meist im „Luzifer“ oder auch mal in der „Siegfried-Werft“.

Nach dem Runden der Luvtonne

Am Samstag war wenig Wind angesagt. Morgens war es noch spiegelglatt auf dem Wasser, aber pünktlich kurz vor dem Start um 11 Uhr zeigten sich in der Strander Bucht kleine Kräuselungen auf dem Wasser. Die Regattaleitung hatte die Startlinien in der Nähe der „Faber+Münker“ Tonne ausgelegt mit Kurs zur Kleverberg E als Luvtonne. Langsam versammelte sich das Feld von 27 Booten im Startgebiet. Tuuut! Noch 10 Minuten. Die meisten hielten Sich an der See-seitigen Begrenzung der Startlinie, um auf Backbordbug am Startschiff zu starten. Die andere Seite der Linie war leicht bevorteilt, also durchaus eine Alternative weiter in Lee zu starten. Tuuut! Noch 5 Minuten. Heiners Idee war dann auch, vor dem ganzen Pulk herzufahren und mit freiem Wind ganz in Lee außerhalb des Gedränges zu starten. In Luv deckte die „Kuh“ alle kleineren Boote ab, von Lee kam Peter Hecht mit der SVEA und verlangte Raum, aber wir waren genau bei Null mit freiem Wind an der Linie.

Halben Wind zur Tonne Stollergrund S

Auf der Kreuz hielten wir uns ziemlich auf der linken Seite, aber insgesamt hatte wohl keine Seite einen entscheidenden Vorteil. Die drei Luffe 37 im Feld gingen alle knapp vor uns um die Luvtonne, aber unser Manöver den Spinnaker zu setzen klappte am Besten. Stefan und Antje waren nur zu zwei auf dem SCHRAT und bekamen ihren Spinnaker nicht so schnell zum stehen und dann waren wir vorbei. Knapp in Luv von uns lag Berend Terveer mit der AGLAIA. Entweder hatte Berend die Schot zu dicht, oder sein breiter Downwind Spinnaker war auf dem spitzen Kurs zur Stollergrund S nicht so schnell wie der etwas flachere Spi der ENTE. Jedenfalls fuhren wir Berend in Lee durch. Erstaunlich, dass das unter Spi geklappt hat. Ein ganzes Stück in Luv Birger Brand mit der UDVEIJ, war auch irgendwie langsamer als wir. Bis zur nächsten Tonne konnten wir unsere Position halten. Von der Stollergrund S ging es dann platt vor dem Laken zur Mittelgrund E. Auf halber Strecke kamen die drei Luffe 37 von achtern auf, aber dann fielen sie wieder zurück.

Skipper Heiner

Vor uns die „Kuh“ und einige andere größere Boote konnten sich auch nicht so recht von uns absetzen. Von der Mittelgrund E zur Warngebiet 8a würde der Wind sehr spitz kommen. Was machten die Boote vor uns? Die „Kuh“ nahm den Spi weg, LUTZIFER versuchte es mit Spi, aber es sah nicht so aus, dass sie die Höhe halten konnten. Vor der Tonne noch eine Halse, Vorsegel klar für Steuerbord-Bug, Vorsegel hoch, Spi weg, perfekt. Zu unserer Überraschung hatte die Regattaleitung die Bahn verkürzt und nahm die Zeiten schon an der „8a“. Nach dem „Tuut“ für den Zieldurchgang setzten wir wieder den Spinnaker und segelten vor dem Wind gemütlich in die Eckernförder Bucht hinein. Gegen 16 Uhr waren wir schon im Hafen „am Jaich“ fest.

An den Fallen: Gustav, Vorschiff: Uwe

Abends Siegerehrung nach dem gewohnt leckeren Essen im „Luzifer Eckernförde“. Wir waren natürlich gespannt, wie groß der Vorsprung der großen Boote vor uns gewesen war und ob es für die ENTE nach berechneter Zeit für den ersten Platz gereicht hatte? Die „Kuh“, oft ein Aspirant auf den Gesamtsieg, kam heute berechnet nur auf dem 7. Platz. Und die anderen „Großen“, die vor uns im Ziel waren? Die X-41 auf dem 10. Platz, die Dehler 46 auf dem 6. Platz, die J/120 auf dem 4. Platz und die LUTZIFER (eine modifizierte Bavaria 38 Match) auf dem 2. Platz. Breites Grinsen bei uns am Tisch, „…und die ENTE mit Skipper Hans-Heinrich von Maydell auf dem 1. Platz“. Yeaaah!

Matchrace mit AGLAIA

War der Samstag noch sonnig und spät-sommerlich schön gewesen, zeigte sich der Sonntag für die Rückfahrt eher herbstlich grau. Mit etwas mehr Wind, aber dafür mit einigen Schauern zwischendurch. Auf der Kreuz aus der Eckernförder Bucht hinaus gelangen uns ein paar schöne Fotos von der AGLAIA und nachmittags kam sogar noch die Sonne heraus, die feuchten Segel etwas zu trocken. Wieder ein gelungenes Absegelwochenende. Und das Beste, nachdem ich auf der SNAEDIS die Kontakte und Stecker hinter dem Motorpanel großzügig mit „wet.protect“ eingesprüht hatte, springt der Motor so gut an, wie eh und je…

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Die kürzeste Sommerreise ever

Einhand-Fotografie

Nach den Problemen mit meinem rechten Sprunggelenk Anfang der Saison bin ich inzwischen wieder weitgehend beschwerdefrei und meine jüngere Tochter Mara möchte noch ein paar Tage mit mir segeln. Das wird die kürzeste Sommerreise ever – von Donnerstag, den 10. August bis Sonntag, den 13. August haben wir Zeit, eigentlich also nur ein längeres Wochenende. Zusammen mit Mara’s Freund Ole wollten wir ein die Dänische Südsee unsicher machen. Mara ist gerade vom Sommerlager mit den Pfadfindern aus dem Schwarzwald wieder da und hat gemeinsam mit Ole schon überlegt, was wir am Mittwochabend beim Sky in Schilksee einkaufen wollen.

Kurs Marstal

Am Donnerstagmorgen geht es los. Wind WNW 2-3, später rechtdrehend und abflauend. Wohin? Schlei? Bei der Windrichtung wohl eher nicht, vielleicht lieber nach Marstal. Und die nächsten Tage? Mal sehen, wo der Wind uns hinweht. Das Wetter ist ganz passabel. Es regnet nicht, es ist nicht zu viel Wind. Richtig sommerlich ist es allerdings auch nicht. Zunächst läuft es ganz gut, aber je mehr der Wind nach rechts dreht, desto mehr nimmt er auch ab. 6 kn, 5 kn, 4 kn, dann noch 3 kn, „Papa, wir dümpeln!“. Das war schon früher immer das Signal zum Bergen der Segel und zum Starten des Motors. Eine Stunde motoren wir, dann sind wir in der Marstal-Rinne. Belustigt denke ich an eine Rückfahrt vom „Silverrudder“ vor ein paar Jahren, als alle Tonnen der Rinne „weg“ waren. Der Süd-setzende Strom in der Rinne war damals so kräftig, dass er alle Tonnen komplett unter Wasser gedrückt hatte. Nur ab und zu tauchte eine bunte Zipfelmütze auf. Blindflug! Abends gibt es Bratwürstchen mit Pellkartoffeln und selbst gemachtem Quark mit Gurke und Knoblauch. Also eigentlich Tsatsiki. Ober-lecker, was Mara da gezaubert hat.

Sonnenuntergangs-Stimmung

Am Freitag ist es bedeckt und Wind haben wir aus NNW. Am Samstag soll es den ganzen Tag regnen und kräftig aus SW wehen. Eigentlich hatten wir Ærøskøbing angepeilt, aber was machen wir dann am Samstag? Im Regen nach Sonderburg kreuzen? Wir entscheiden uns dafür, schon heute nach Sonderburg zu segeln (unten herum um Ærø kann man das prima anliegen) und am Samstag einen Shopping- und Faulenzer-Tag einzulegen. Kurz vor Vejsnaes Nakke überholen wir ein etwas kleineres Warship. Die Crew hat irgendetwas in das Vorsegel gemalt. Als wir vorbei sind, können wir es lesen, der Skipper hat seiner Mitseglerin einen Heiratsantrag gemacht! Wie niedlich! Wie alt der Antrag wohl ist? Das Segel sieht schon älter aus. Um 16 Uhr sind wir in Sonderburg fest. Wir haben einen Liegeplatz mit Wind von achtern und bauen das Cockpitzelt auf. Von uns aus könnte es jetzt anfangen mit dem Regen. Abends Tortellini in Sahnesauce, mit Knoblauch abgeschmeckt.

Ole und Mara

Der Samstag ist wirklich ungemütlich. Ausschlafen, frühstücken, abwaschen, lesen, spielen. Mittags ist es weniger grau am Himmel. Mara und Ole nutzen die Gelegenheit zum Shoppen in der City. Heute Abend soll es Fisch geben und außerdem braucht Mara noch ein Geburtstagsgeschenk für Oma. Ich treffe meine Arbeitskollegin Nina, die auch die letzten Tage auf Sommerreise sind. Sie wollen nachher noch auslaufen und bis in die Schlei. Na, denn mal viel Glück. Später im Büro erzählt sie, dass sie gerade noch trocken aus dem Hafen heraus gekommen sind und dann noch einen richtig schönen Regenguss abbekommen haben. Später läuft mir noch ein ehemaliger Arbeitskollege über den Weg. Herr Issleib ist schon lange Rentner, aber er hat immer noch als Freelancer gearbeitet. Jetzt immer noch? „Nö“, meint er, „ich bin ja nun schon über 80, jetzt segel ich nur noch. Das hält fit!“ Na, denn mal alles Gute! Abends Schollenfilet mit Kartoffelpüree, den Fisch in Zwiebel und Knoblauch gebraten. Zum Teller ablecken!

Raumschot in Richtung Bülk

Am Sonntag geht es gemütlich nach Hause. Halber Wind, 4-5 Windstärken. Keine Geschwindigkeitsrekorde heute. In einer Bö kommen wir mal auf knapp 9 kn, aber das war es dann auch schon. Schade, ich hatte mich heimlich auf etwas mehr Wind gefreut. Wir sind zeitig wieder in Strande, klaren an und unter Deck auf. Es müffelt immer noch hartnäckig nach Fisch, selbst nachdem wir Pantry und Boden mit Essigreiniger bearbeitet haben. „Ob nicht doch irgendwo ein Stück Filet neben den Herd gefallen ist?“, ziehe ich Mara auf. Aber sehen kann man nix – nur riechen. Zum Abschluss der Sommerreise gehen wir bei Alexy’s ein schönes Bauernfrühstück essen und dann geht es zurück nach Hause. Morgen muss ich in den nächsten Urlaub. An Land, mit meiner kleinen Freibeuterin 🙂

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35 Jahre Abi

Susann an der Pinne

Seit 2013 bin ich jedes Jahr mit meinen Schulfreundinnen Susann und Britta ein Wochenende mit der SNAEDIS unterwegs. Letztes Jahr mussten wir einmal aussetzen, weil ich im Sommer in Norwegen unterwegs war, aber in diesem Jahr hat es wieder geklappt. Britta ist gesundheitlich nicht ganz auf dem Damm, aber sie will uns abends mit dem Auto besuchen kommen. Susann schlägt vor, abends in Maasholm essen zu gehen, sie hat einen Tisch im „Schlei-Eck“ reserviert. Und weil unser Jahrgang es in diesem Jahr nicht geschafft hat, eine 35-Jahre-Abi-Feier auf die Beine zu stellen beschließen wir für uns, dass dies unsere ganz private 35-Jahre-Abi-Feier sein wird.

Spaziergang zum „Schlei-Eck“

Am Samstagvormittag ist Susann pünktlich um 10 Uhr in Strande. Es sind zwar Gewitter im Anzug, aber wir wollen erstmal los – notfalls können wir ja umdrehen und nach Strande zurück segeln. Und bis in die Schlei ist es ja eh nicht weit. Wir haben E5, in Böen 6 und vor Strande ist es etwas holprig. Ein kurzer Schlag in Richtung Fahrwasser, Wende, Kurs Bülk und dann können wir schon Richtung Damp abfallen. Das Wetter ist grau, aber noch ist es trocken. Susann steuert und wie immer sind wir schnell bei Erinnerungen an die Schulzeit und was alles in den letzten beiden Jahren so passiert ist. Susann hat begonnen in Duisburg zu arbeiten, möchte aber nach wie vor ihr Zuhause in Mainz nicht aufgeben. Beruflich macht ihr die neue Herausforderung viel Freude, aber ihr soziales Umfeld leidet etwas darunter nicht mehr so ganz in Mainz und noch nicht wieder so richtig in Duisburg zu Hause zu sein.

Abendstimmung

Vor dem Wind segeln wir in die Schlei, auf dem Weg in Richtung Maasholm kann ich schon mal in Ruhe des Vorsegel einsammeln und die Leinen klar legen. Vor dem Hafen das Großsegel weg und – der Motor springt nicht an. Das hatte ich doch schon mal… Eine Dänische LM schleppt uns netterweise in den Hafen bis an den Außensteg. Der Motorhauptschalter hat es nun endgültig hinter sich. Schnell den Schalter überbrückt, damit können wir übers Wochenende gut leben. Die viertel Stunde, die das Abschleppen und die Reparatur wohl gedauert hat, war allerdings schon zu lange, es hat angefangen wie aus Eimern zu schütten und im strömenden Regen verholen wir auf unseren Liegeplatz am Steg A2 und bauen die Cockpit-Persenning auf. Erstmal die nassen Sachen zum trocknen aufhängen, dann gibt es einen Kaffee und den leckeren Kuchen, den Susann mitgebracht hat. Kurz danach ist auch Britta da. Später hört es auf zu regnen und sogar die Sonne lässt sich etwas blicken.

„Tschüß Britta!“

Der Dorsch im „Schlei-Eck“ ist lecker, das Espresso-Panacotta originell. Nur Susann hat irgend etwas an dem Essen nicht vertragen. Ob ein Schnaps geholfen hätte? Susann möchte noch etwas laufen und wir gehen eine große Runde über Maasholm-Bad und das NEZ Maasholm (Natur Erlebnis Zentrum) und über den Deich entlang zum Hafen zurück. Am Sonntagmorgen regnet es schon wieder ohne Pause. Wir lassen es langsam angehen, frühstücken gemütlich und klönen weiter. Britta ist vor kurzem aus ihrer vom Schimmel verseuchten Wohnung ausgezogen und hat sich passenderweise genau zum Umzug ein Bein gebrochen. Und wie es denn mit meinem Liebesleben aussieht? Beide sind neugierig auf Neuigkeiten von mir und meiner kleinen Freibeuterin. Mittags hört der Regen auf und der Wind dreht verabredungsgemäß auf WSW. Los geht’s! Britta hilft uns noch beim Ablegen, Segel hoch, vor dem Wind segeln wir wieder aus der Schlei hinaus. Den Kurs nach Hause, innen am Sperrgebiet entlang, können wir locker anliegen.

Lasse mit der „Port Tudy“

Auf dem Stollergrund nähern wir uns einer Vindö 40, man winkt uns freundlich zu. Auf die Entfernung kann ich nicht erkennen, wer das ist. Vielleicht mein bester Freund Achim mit der Familien-Vindö „Ile de Groix“? Oder einer seiner Brüder Thomas oder Andreas? Nein, es ist Lasse mit der „Port Tudy“, dem Schwesterschiff der „Ile“. Von Land her ziehen einige Schauerböen in Richtung Wasser, aber es ist nicht arg zu viel Wind darin. Ich freue mich immer wieder, wie flexibel die SNAEDIS mit dem 3/4-tel Rigg ist und wie viel Druck man aus dem Großsegel nehmen kann, wenn man es ganz flach trimmt und/oder oben ganz offen fährt. Schnell sind wir in Strande zurück. Nach der letzten Schauerböe  kommt die Sonne heraus, sodass wir sogar noch die Cockpit-Persenning und das Vorsegel trocknen können. Eigentlich haben wir doch noch Glück mit dem Wetter gehabt. Zum Abschluss des Wochenendes gibt Susann noch ein Fischbrötchen aus und wir genießen die letzten Momente in der Sonne am Fischersteg. Das war wieder schön 🙂

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Familiennachmittag

Brigitte, Uwe, Karsten

Sooo lange haben wir das schon vorgehabt, ein Familiennachmittag auf der SNAEDIS. Endlich hat es geklappt. Am Sonntag bin ich mit meiner Schwester Brigitte, ihrem Mann Karsten und meiner Nichte Lina verabredet. Und das Wetter spielt auch mit, was in diesem Jahr ja nicht unbedingt selbstverständlich erscheint. Als ich morgens aus dem Niedergang schaue schon strahlend blauer Himmel, nur noch kein Wind da. Aber das wird schon noch, denke ich mir. Mittags kommen die drei über die Promenade und winken mir schon vom weiten zu. Total pünktlich. Karsten möchte am liebsten sofort los „Du hast doch schon die Segel angeschlagen und alles fertig…“, aber Brigitte und Lina sind etwas entspannter, „Erstmal ankommen…“ Hihi, ich freue mich, das wird bestimmt nett. Inzwischen ist auch etwas Wind da, eine richtige Kaffee-Brise, 2-3 Windstärken aus ENE. Da können wir schön einmal zum Leuchtturm segeln und wieder zurück. Nachdem wir etwa geklönt haben und alle an Bord „warm“ geworden sind, laufen wir aus.

Meine Nichte Lina

Wie bequem, mit Crew unterwegs zu sein, so brauche ich die Segel nicht alleine hoch zu ziehen. „Puuh, warum geht das denn so schwer?“, Karsten muss sich richtig anstrengen. Das große Großsegel, durchgelattet, mit vier langen Latten, finde ich auch immer etwas mühsam. In der Strander Bucht liegt ein Containerschiff vor Anker, der spart sich wohl die Liegegebühren oder hat noch Zeit, bis er durch den Kanal geht. Am Wind segeln wir aus der Förde hinaus in Richtung Leuchtturm. Auf dem Wasser ist es etwas kühler, als man es sich an Land vorstellt. Brigitte und Karsten packen ihren „Picknick-Korb“ aus. Karsten hat frische Brötchen gebacken. Mmmh, sehr lecker. Lina freut sich, endlich mal mitsegeln zu können und ist froh, dass das Wetter so freundlich ist. Sie war sich nicht sicher, ob sie bei mehr Wind und Welle seekrank wird.

Sonne und Kaffee-Brise – herrlich!

Meine Schwester und ich sind Halbgeschwister, wir haben den gleichen Vater, aber zwei verschiedene Mütter. Und unser Vater ist gestorben, als Lina noch ganz klein war, sie hat also kaum Erinnerungen an ihren Opa und kennt daher nur die Erzählungen der einen Familienseite. Bald kramen wir in alten Erinnerungen wie das war mit Opa Klaus und (meiner) Oma Inge und (ihrer) Oma Charlotte und was ich für Erinnerungen habe. Lina entschuldigt sich diverse Male dafür, dass sie so neugierig ist, aber mir macht es Spaß davon zu erzählen. Ein ganzes Stück hinter Kiel Leuchtturm gehen wir auf Gegenkurs und segeln in Richtung Strande zurück.

Blick in die Genua

Wie so oft, auf dem Weg zum Kiel Leuchtturm ist es frisch, weil der Wind von vorne kommt, und auf dem Weg zurück ist es kalt, weil man genau im Schatten der Segel sitzt. Lina setzt sich nach vorne aufs Vorschiff und in den Bugkorb, um ein paar wärmende Sonnenstrahlen zu erhaschen, aber dort merkt man die Schiffsbewegungen viel mehr und nach einiger Zeit kommt Lina lieber wieder zu uns ins Cockpit zurück. Bald sind wir in Strande zurück. Nach dem Aufklaren verabschieden sich die drei, müssen noch rasch zu einer Geburtstagsfeier in Kronshagen. Wenn ich nachher nach Hause fahre, werde ich Lina dort einsammeln und sie mit zurück nach Hamburg nehmen. Für mich gibt es zum Wochen-Ende noch einen Kaffee und das allerletzte Fischbrötchen in der Auslage, Kräutermatjes. Lecker, besonders das krosse Brötchen.

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Pfingsten an der Schlei

Schleifähre Missunde

…mit dem Auto. Seit einiger Zeit habe ich wieder Probleme mit meinem rechten Sprunggelenk, wie vor drei Jahren. Und der Arzt hat mir damals sehr anschaulich erklärt, was passieren kann, wenn der lose „Knorpel Knochen Flake“ ins Gelenk rutscht. Das ist Gott sei Dank nicht passiert, aber spontan habe ich alle Verabredungen abgesagt, die mit Segeln zu tun haben. Ärö-Rund, Gästesegeln und die Sommerreise mit der „Kuh“. Ich merke, wie unsicher ich mit dem lädierten Fuß schon an Land bin. Segeln mit der Jugendabteilung, insbesondere Regatta oder non-stop nach Tallin, das ist mir im Moment zu heikel. Fühlt sich nicht gut an, so viele Menschen enttäuschen zu müssen. Zum Glück hat Niklas schon einen Plan-B für Ärö-Rund, und für die Sommerreise findet sich hoffentlich auch eine Lösung. Katrin und Achim laden mich zum Pfingst-Familientreffen an die Schlei ein, darüber freue ich mich sehr. Viele Freunde, die zu Thomas nach Brodersby kommen.

Geht doch…

Den Sonntag verbringe ich in Strande an Bord. Vormittags Regen, nachmittags wird es freundlicher. Alle Freunde sind mit dem Boot unterwegs. Ist ja doch irgendwie blöd an Bord, ohne Segeln. Ich habe ein spannendes Buch mit, aber die Gedanken schweifen immer wieder zum Fuß. Und was, wenn? SNAEDIS nachrüsten mit Rollfock, Einleinenreff und Bugstrahlruder? Oder lieber verkleinern in Richtung Motorsegler? Oh, Mann, was für Gedanken! Am Montag Sonnenschein und leichter Wind. Wenn ich noch einen Tag hier im Cockpit verbringe ohne zu segeln, steht die SNAEDIS am Ende der Saison zum Verkauf, das spüre ich. Was hilft dagegen? Doch aufs Wasser! Vorsichtig, mit Bandage und kleinen Segeln einmal zur Stollergrund N und wieder zurück. An Deck bewege ich mich langsam. Ich muss Drehbewegungen und schräge Belastungen vermeiden, dann geht es besser als gedacht. Bis das geklärt ist, muss ich wohl kleine Brötchen backen…

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AAR Crewanforderungen

ARC2002, Ankunft in der Karibik

Auf meinen letzten Post gab es auf Facebook zwei Kommentare bezüglich der Anforderungen an die Crews der Atlantik-Reise. Ein Facebook-Freund, den ich nicht näher kenne, kommentierte, „Schade, dass über die normalen Führerschein-Kenntnisse herausgehende Qualifikationen gefordert werden“ (der Kommentar ist inzwischen gelöscht worden, aber sinngemäß, glaube ich, war er so) und ein Kommentar von Susanne von der SY „Zora“ bzw. SY „Sieben“, „Ich finde schon, dass man mehr können sollte, als bei den Prüfungen zum amtlichen Schein (SBF See, SKS) gefordert wird.“

Wie waren die Anforderungen für diese Reise?

Für den Atlantik und die Biskaya (Kategorie 1) für den Skipper: SHS bzw. C-Schein und für die beiden Wachführer: SSS bzw. BK-Schein. Für alle anderen Etappen (Nordsee, Englischer Kanal, Europäische Atlantikküste, Karibik, Antillen, US-Küste – Kategorie 2) für den Skipper und die beiden Wachführer: SSS bzw. BK-Schein. Zusätzlich den Sportbootführerschein und je nach Fahrtgebiet ein SRC/LRC Zertifikat. In der Crew zwei Personen mit Sani-Ausbildung (oder Arzt); ferner Skipper, Wachführer und 30% der Crew mit ISAF-Zertifikat.

Von den Skippern und Wachführern erwartet der Verein, dass sie bereits praktische Erfahrung als Skipper/Wachführer auf großen Yachten auf mehrtägigen Offshore Fahrten haben, weiterhin sollen mindestens 1/3-tel der Crew Erfahrung auf mehrtägigen Offshore Fahrten haben. Die Skipper müssen zusätzlich eine „Trimmerlaubnis“ für die „Kuh“ ablegen. Die Crew soll den Anforderungen der Reise in den jeweiligen Fahrtgebieten physisch und psychisch gewachsen sein.

Alle diese Forderungen finde ich gut nachvollziehbar und nicht unbedingt ungewöhnlich. Die Anforderungen gehen eigentlich nicht über die der amtlichen Führerscheine hinaus, jedoch will man eine Crew haben, die etwa zur Hälfte bereits Hochsee-Erfahrung hat. Das macht Sinn und gibt dem Skipper die Sicherheit, dass er das Boot notfalls mit dieser Hälfte der Crew segeln kann.

Einen ISAF-Lehrgang (typischerweise über ein Wochenende) kann ich nur jedem empfehlen, egal ob Segler mit oder ohne amtlichen Führerschein, weil einem dort komprimiert und praxisnah vermittelt wird, was alles bei längeren Fahrten über See wichtig sein kann:

Theoretischer Teil:
• Pflege und Instandhaltung der Sicherheitsausstattung
• Sturmsegel – Anwendung und Handhabung
• Schadenskontrolle und Reparatur
• Schweres Wetter – Vorbereitung und mentale Einstellung
• Person über Bord
• Unterstützung für andere Schiffe
• Unterkühlung
• SAR Organisation und Methoden
• Wettervorhersagen

Praktischer Teil (im Wellenbad Eckernförde bzw. bei der Firma Netlitz in Kiel):
• Rettungsinseln und Rettungswesten, Überlebenstraining See, Abwinschen
• Brandvermeidung und Brandbekämpfung, Fettbrand
• Herz-Kreislauf Wiederbelebung und Erste Hilfe
• Pyrotechnik und EPIRBs
• Leckabwehr

Die Forderung, dass Wachführer und Skipper bereits praktische Erfahrung als Skipper oder als Wachführer auf großen Yachten auf mehrtägigen Offshore Fahrten haben sollen und die Skipper eine „Trimmerlaubnis“ ablegen müssen, finde ich ebenfalls unbedingt für erforderlich. Der Verein legt die Verantwortung für das 16 m Boot und die Crew von bis zu 10 Personen in die Hand von Skipper und Wachführer und muss gewährleisten, dass diese die geplanten Etappen unter allen möglichen Wetterbedingungen pünktlich und vor allen Dingen sicher absegeln können. Und wenn man das Segeln auf 10-12 m Booten gewöhnt ist, sind 16 m definitiv ein sehr großes Boot.

Die Forderung nach der physischen und psychischen Fitness der Crew muss man in Zusammenhang mit der Ausrüstung der „Kuh“ verstehen. Anders als eine gleichgroße private Fahrtenyacht hat die „Kuh“ keine Kuttertakelung, keine Rollvorsegel, keine Lazy-Jacks, keine Ankerwinde (weder mechanisch, noch elektrisch), keine elektrisch betriebenen Fall- oder Schotwinschen, keine Selbststeueranlage, kein Bugstrahlruder. Also nichts, was einem irgendwie die Arbeit erleichtert. Ganz im Gegenteil, die Vorsegel werden im Profilvorstag gefahren, nicht an Stagreitern. Das heißt, wenn ein Vorsegel geborgen wird, muss die Crew auf dem Vorschiff jede Menge Quadratmeter frei fliegendes Segeltuch bändigen – schon bei moderatem Wind eine Aufgabe für viele Hände.

Auf längeren Seestrecken ist es üblich, dass das stehende und laufende Gut regelmäßig überprüft wird. Also, einmal in die Spibaumnock, die Schot auf Schamfilstellen checken, dann in den Masttop, die Fallen und Rollen checken, auf dem Weg nach oben die Wanten und Salingsbeschläge in Augenschein nehmen, auf dem Weg zurück nach unten die Segmente des Profilvorstages prüfen. Auf kurzen Etappen mag es ausreichend sein, dies im Hafen vor der Abfahrt und nach der Ankunft zu tun, aber auf längeren Etappen muss dies auch auf See erledigt werden. Und Schäden bei Schlechtwetter, die die Sicherheit des Schiffes beeinträchtigen? In solchen Situationen muss die Crew eben auch körperlich in der Lage sein, die Reparaturen auf See durchzuführen, auch oben im Mast und auch unter widrigen Bedingungen.

Und sonst noch? Das Steuern nur mit den Segeln bei festgesetztem Ruder? An- und Ablegen unter Segeln? Ja, das ist etwas, was typischerweise nicht in Prüfungen verlangt wird. Leider! Aber meiner Meinung nach sind das Grundfertigkeiten, die jeder Segler auf oder mit seinem Boot beherrschen sollte. Ich finde es wirklich bedenklich, dass es Segler gibt, die sich in Seenot wähnen (oder es tatsächlich auch sind), nur weil ihr Motor nicht funktioniert…

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AAR Planungen abgebrochen

Die KUH beim Start zum Absegeln

„Vorstand, Organisationsteam und Schifferrat des KYC haben am vergangenen Sonnabend gemeinsam die Entscheidung getroffen, die Planungen für die Atlantikreise der ZUKUNFT IV abzubrechen. Seit vielen Monaten hat die Projektgruppe mit viel Zeit und Engagement daran gearbeitet, die Reise möglich zu machen. Letztendlich konnten leider einige Etappen nicht mit den notwendigen Crews besetzt werden, die eine sichere und verlässliche Gesamtreise ermöglicht hätten. Da die Fortsetzung des Projekts ab diesem Zeitpunkt erhebliche Kosten ausgelöst hätte, wurde der Abbruch aus der Abwägung von Sicherheitsinteressen und finanzieller Planbarkeit leider alternativlos.

Allen, die Ihr Interesse für diese Reise signalisiert haben, danken der Club herzlich dafür und bittet um Ihr/Euer Verständnis und Unterstützung für diese Entscheidung. Unser Club wird wie immer auch in 2017 und 2018 erlebnisreiche und schöne andere Reisen mit unseren verschiedenen Schiffen durchführen! Vielleicht ist die Absage der Atlantikreise deshalb für den einen oder anderen der Startpunkt für eine ganz andere Reise. Wir würden uns freuen!“

Was für eine Enttäuschung! Damit hätte ich nie gerechnet, als die Planungen für diese Reise begonnen haben…

Andererseits hatte ich als potentieller Skipper einen Einblick in die Planungen und die Zusammensetzung der gemeldeten Crews und nachdem der Schifferrat auch uns Skippern seine Überlegungen und Anforderungen nach der Skipper-Einweisung erläutert hatte, kann ich die Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt gut nachvollziehen. Für alle Beteiligten bleibt die Frage, was man hätte anders machen können und ob wir im Verein grundsätzlich unsere Ausbildungsziele und Strukturen ändern müssen, wenn wir solche Reisen in Zukunft durchführen wollen.

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AAR Skipper-Einweisung

Die „Kuh“ nach dem Segeln in Düsternbrook

Auf der geplanten Atlantik-Reise werden eine Reihe Skipper mit der „Kuh“ unterwegs sein, die noch nie auf dem Schiff gesegelt sind. Am Freitag, den 12. Mai ist eine Einweisung der neuen Skipper geplant. Drei Yachtschüler sind dabei, um uns die Technik der „Kuh“ zu erklären. Profilvorstag, losnehmbares Kutterstag, Babystag, die Fallwinschem an Deck um den Mast herum, die übrigen Strecker am vorderen Niedergang, die großen Winschen im vorderen Arbeistcockpit, weiter achtern Großschot, Traveller, Backstagen, die Hydraulik für Kicker, Unterliek und Achterstag, das Elektrik- und Motorpaneel am Steuerstand. Danach geht es unter Deck, die Schalttafel und Elektronik am Kartentisch, Seeventile, Tanks, Maschine. Die drei machen das gut, aber das dauert eine Weile und mit elf Skippern unter Deck kann man kaum etwas sehen. Für mich nicht so tragisch, ich werde im Sommer ja noch 14 Tage mit der Jugendabteilung auf der „Kuh“ unterwegs sein, dann habe ich noch Zeit die Innereien und Besonderheiten des Schiffes kennen zu lernen.

Fischbrötchen-Pause in Möltenort

Nun soll es aber auch noch aufs Wasser gehen, denn einer der Skipper-Aspiranten muss heute schon seine „Trimmerlaubnis“ ablegen, da er ab dem nächstem Wochenende den ganzen Sommer auf Reisen sein wird und keine Möglichkeit mehr hat, die Prüfung später zu machen. Wir laufen aus, setzen Segel (G2 und Großsegel) und segeln ein Stück aus der Förde hinaus. Klaus, der Vorsitzende unseres Schifferrates möchte einen Vorsegelwechsel auf die G3 sehen. Mit dem Profilvorstag lassen sich die Vorsegel schön ineinander wechseln. Danach noch ein Reff ins Großsegel. Nach gut einer Stunde und einigen weiteren Manövern zum warm werden segeln wir zurück, um Heiner abzuholen. Heiner ist ebenfalls Mitglied unseres Schifferrates und als langjähriger Schiffer des „Peter von Danzig“ und mit drei Atlantiküberquerungen einer der erfahrensten Segler des KYC und des ASV. Auf einigen seiner Patentfahrten vor der Schifferprüfung auf dem damaligen stählernen und motorlosen „Peter von Danzig“ (heute „Peter von Seestermühe“) war ich 1984 dabei. Zu zweit werden Klaus und Heiner die Prüfung abnehmen. Ablegen in Düsternbrook, einige Mann-über-Bord Manöver, Anlegen unter Motor in Möltenort. Das hat den Schifferrat noch nicht überzeugt. Nochmal Ab- und wieder Anlegen. Kurze Pause mit Fischbrötchen. Ablegen unter Segeln, draußen auf der Förde segeln mit blockiertem Ruder, d.h. Steuern und Manöver nur mit den Segeln. Danach den Spinacker setzen und wieder bergen, mehrere Aufschiesser an einer Fahrwassertonne. Dann geht es zurück auf den Liegeplatz.

Skipper-Einweisung auf der Förde

Seglerisch hat der Aspirant überzeugt, aber was die Führung der 10-köpfigen Crew angeht, damit ist der Schifferrat überhaupt nicht einverstanden. Die anderen Skipper-Aspiranten sehen sich betroffen an. Ob es jedem von uns genauso oder ähnlich ergangen wäre? Die meisten von uns sind ja immer nur mit kleinen Crews unterwegs, als Ehepaar oder Familie. Die wenigsten haben Erfahrung mit Crews von 10-12 Personen. Nachdem der Schifferrat dem Aspiranten mitgeteilt hat, dass er nicht bestanden hat, treffen wir uns im „Store“ der Schulungsgruppe zur Nachbesprechung, auf der Klaus und Heiner noch einmal ihre Erwartungen und Anforderungen erläutern. Wie es denn sonst mit den Anmeldungen und den Qualifikationen der Crews für die 19 Etappen der Atlantik-Reise aussieht, will ich wissen. Bislang habe der Schifferrat nur die Crewlisten von neun Etappen, erklärt Heiner. Viele der Listen seien jedoch unvollständig ausgefüllt, sodass der Schifferrat bislang nur ein „ok“ für zwei der Etappen geben würde. Alle anderen Crews könne man auf Grund fehlender Angaben zu Qualifikationen, Alter und Fitness im Moment gar nicht abschließend beurteilen. Oh…

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Geschwaderfahrt

Freitagabend in Strande – kalt wird es…

Zum 90. Geburtstag der „Schulungsgruppe“ und zu 130 Jahren Kieler Yacht Club haben sich unserer Organisatoren etwas Besonderes für das Ansegeln ausgedacht. Über das lange 1. Mai Wochenende wird eine Geschwaderfahrt Kiel – Marstal – Kappeln – Kiel veranstaltet. Über 30 Boote haben sich angemeldet, über 100 Segler werden erwartet. Ich fahre schon am Freitagabend nach Strande und übernachte an Bord. Noch ganz schön schattig nachts. „Progressiver Gesundheits-Check“, denke ich mir, als ich morgens aus dem Schlafsack krieche. Wenn ich nächste Woche nicht krank bin, ist mit mir alles in Ordnung.

Regen weg, Wind weg

Ich mache mich schon zeitig auf den Weg, noch ist etwas Wind aus SW, der später auf W dreht. Von NW kommt eine Front auf uns zu, bald fängt es an zu regnen. Ich sitze unter dem Sprayhood und muss an einen von Heiners Sprüchen denken, „Ich fahre das Boot heute aus der Koje!“, ja, gute Idee! Nachdem die Front durchgezogen ist, dreht der Wind auf NW über N und weiter nach NE. Ich halte mich auf der rechten Seite und wende, als ich auf dem anderen Bug 340 Grad und später sogar 20 Grad steuern kann. Die Bewölkung reißt wieder auf, die Sonne kommt heraus, aber kurze Zeit später stirbt der Wind. Na ja, bis 7 sm vor die Ansteuerung von Marstal konnte ich immerhin segeln. Gemächlich nehme ich die Segel weg, Motor an, Großsegelpersenning drauf, Festmacher klar legen, Fender an Deck, und bald bin ich in der Marstal-Rinne. Die ersten Clubboote sind schon im Hafen, der ganze Steg 10 ist für uns freigehalten.

Sieht aus wie Sommer

Bedingt durch die Flaute trudeln die Teilnehmer teils mit Verspätung ein. Insbesondere die AEGIR wird dringend erwartet, denn dort ist die Zapfanlage mit drei Fässern Bier an Bord. Um 18 Uhr kann es mit Freibier und Grillen losgehen. Sobald die Sonne verschwunden ist, wird es ordentlich kalt und wir rücken in den Häuschen eng zusammen. Nach dem Essen haben wir die Chance, die KUH („Zukunft IV“) anzusehen, das Boot, mit dem der Club die Atlantik-Reise 2017/2018 machen will. Niklas führt seine Eltern und mich durchs Schiff. Achterkabine (die ursprüngliche Eignerkabine) mit Skipper- und Wachführerkoje, ehemalige Dusche (jetzt Werkzeuglast), Schrank für die Rettungswesten, WC und Waschraum, nach vorne angrenzend die große Pantry, gegenüber das „Kinderzimmer“ mit zwei Kojen, davor der Salon mit großzügiger Sitzecke, das ehemalige zweite WC (jetzt Stauraum für Ölzeug) und die große Navi-Ecke, dann vor dem Mast vier Seekojen und im Vorschiff schließlich die Segellast mit zwei Rohrkojen. Wenn es auf unserer Etappe bei den 8 Mitseglern bleibt, braucht niemand im Salon zu schlafen und auch die Rohrkojen in der Segellast bleiben frei. Das wäre ja echt Luxus.

Abends rücken wir alle gemütlich zusammen

Am Sonntag ist für um 10 Uhr gemeinsames Auslaufen angesagt. Viele wollen schon heute zurück nach Kiel segeln (ich auch), da für den Montag E 6-7 Windstärken angesagt sind. Ich bin mit meiner „kleinen“ Tochter Mara verabredet, wir wollen am Montag ihren Geburtstag (nach)feiern. Mit G3 und 1. Reff sind wir bei 5 Bft. gut besegelt. Zuerst überlege ich noch, vielleicht doch auszureffen, aber im Laufe des Tages wird es noch etwas windiger. Wir sind flott zurück in der Förde, aber trotz guter Klamotten wird es nach 3-4 Stunden kalt, wenn man an der Pinne ungeschützt im Wind sitzt. Doris und Heiner meinen, ich hätte durchgefroren ausgesehen, als ich in Strande eingelaufen bin. Ja, das stimmt, kalt bis auf die Knochen. Als ich das Boot aufgeklart habe, hat der Wind nochmal zugelegt. Jede Menge weiße Schaumkronen da draußen.

Am Montagnachmittag meldet Kiel LT bei Windfinder E 8, in Böen 9, und ich freue mich, dass ich heute nicht segeln „muss“.

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Ungemütliches Osterwetter

„Oh Uwe, das sieht nicht gut aus…“

Die ersten Segelfreunde sind schon unterwegs und posten von Ærø oder aus Sonderburg. Ich bin noch nicht so weit. Und nachts ist es eh noch richtig kalt, ich bin nicht wirklich neidisch. Am Karfreitag bringe ich noch einige Dinge an Bord und ich tausche mit Stefan die Liegeplätze wieder zurück. Der SCHRAT war erst mal ohne Motor ins Wasser gekommen, und da war das Verholen per Hand auf SNAEDIS Platz einfacher. Am Ostermontag nutze ich den freundlichen Vormittag um die Wantenspanner zu sichern, das Großsegel anzuschlagen und den Wassertank zu spülen. Mittags ziehen, wie angesagt, wunderbar dunkle Schauerwolken auf. Wenn die Sonne verschwindet, wird es noch empfindlich kalt. Ich höre ganz deutlich, wie mein Sofa nach mir ruft…

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