Gewitternacht

2016.08.28-01

DWD Regenradar

Irgend etwas hat mich geweckt. Wie spät ist es? Kurz nach 3 Uhr… Heftiges Wetterleuchten… Geht es jetzt los? Das Regenradar auf DWD zeigt mir, das das Gewitter gleich über Kiel ist. Draußen ist es stockfinster, zwischendurch erleuchten Blitze die Wolken. Nun kann man auch den ersten Donner hören. Dann dauert es wohl nicht mehr lange. Während es blitzt habe ich den Eindruck, ich kann eine Front am Himmel erkennen, aber die Richtung stimmt nicht. Ist wohl eher eine optische Täuschung. Die ersten Böen fauchen heran. Es beginnt heftig zu regnen. Achtern liegen wir immer sehr dicht am Steuerbord Pfahl. Ist die Luv-Achterleine dicht genug? Und die Querleine achtern? Scheint alles ok zu sein. Ich kann die Windrichtung im Dunkeln gar nicht richtig ausmachen, aber es scheint kein Ostwind zu sein, der Wind kommt nicht von achtern. Liegen wir irgendwie im Windschutz der Zebra-Hallen? Nachdem ich die Situation einen Moment beobachtet habe, lege ich mich einigermaßen beruhigt wieder in die Koje. Ganz so schlimm wird es anscheinend nicht. Nach einer knappen Stunde ist das Gewitter über uns hinweg gezogen, und ich schlafe wieder ein. Am nächsten Morgen sehe ich bei Windfinder, dass bei Kiel Leuchtturm ein Spitzenwert von 9 Bft. in den Böen gemessen worden ist. Oh! Und im Internet finde ich auf Facebook ein Video eines nächtlichen Blitz-Feuerwerks der „Sternwarte Norderney“ und ein tolles Fotos von einer Front mit ausgeprägten Böenkragen auf „Heimathafen Flensburg“. Wahnsinn, was für eine Gewitternacht!

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German Classics und Meer

Nach dem Runden der Luvtonne

Nach dem Runden der Luvtonne

An diesem Wochenende finden die „German Classics“ in Laboe statt. Da gibt es auf dem Wasser bestimmt einiges zu sehen. Als ich am Samstagmorgen auslaufe, versammeln sich gerade die Klassiker am Startschiff in der Strander Bucht. In Richtung Grasberg hat der Veranstalter zwei Tonnen ausgelegt, um die die Boote herum müssen, bevor es raumschots aus der Förde hinausgeht. Die „Großen“ starten als erstes. An der Luvtonne kann man sehen, wer öfter mal auf Regatten unterwegs ist, und wer sich mehr als Fahrtensegler betätigt. Einige „Große“ bleiben in der Wende stecken und versperren den nachfolgenden Booten den Weg. Wunderbar, die top restaurierten 6er und 8er, die mit viel Schräglage auf die Luvtonne zusegeln. Dynamik pur! Halben Winds geht es zur zweiten Tonne, bevor das Feld, teils unter Spinnaker, Kurs in die Kieler Bucht nimmt. Ein Stück laufe ich mit dem Feld mit, und nehme dann Kurs auf Wendtorf.

Unter Spinnaker aus der Förde hinaus

Unter Spinnaker aus der Förde hinaus

Am Nachmittag bin ich dort mit meiner kleinen Freibeuterin verabredet. Sie macht mit ihren Schwestern ein paar Tage Urlaub an der Ostsee. Wann war ich wohl zuletzt hier? Keine Ahnung, das ist bestimmt auch 30 Jahre her (wie Schleimünde). Eine Stunde später sind Karen, Andrea und Birthe da und haben leckeren Kuchen mitgebracht. Ich freue mich! Wir haben uns ja jetzt lange nicht gesehen. Andrea und Birthe sind neugierig, wie es auf einem Segelboot aussieht. Wir haben Glück mit dem Wetter und sitzen den ganzen Nachmittag in der Sonne, genießen die Stimmung im Hafen mit Blick auf die anderen Boote, erzählen und albern herum.

Ein lustiger Nachmittag mit den drei Mädels

Ein lustiger Nachmittag mit den drei Mädels

Abends mache ich einen Abstecher zum Martina und Kai auf die PHALERON. Kai ist mit der leuchtend blauen Ketsch vom Typ „Joshua“ gerade von seiner fünfjährigen Weltumseglung zurück und liegt nun wieder in Wendtorf. Seine Freundin Martina, mit der ich schon mehrere Male über Pfingsten unterwegs war, hat ihn alle paar Monate an den schönsten Plätzen der Welt besucht und ist 6-8 Wochen Etappen mitgesegelt. Zuletzt Karibik, davor Südafrika, Australien, Neuseeland, Tuamotus, das erste Mal Karibik und Kapverdische Inseln. Freund Ulli und Kais Bruder ist mit Familie zu Besuch und ich werde zum Abendessen eingeladen. Wenn acht satt werden, reicht es auch für neun. Es gibt Würstchen mit Kartoffelsalat für die „kleinen“ und „großen“ Kinder. Wer sich traut, bekommt auch etwas von Martinas Kokos-Erbsensuppe. Wieder total lecker. Am Sonntagvormittag treffen wir uns noch einmal auf einen Kaffee auf der PHALERON. Kai ist nun zwei Monate wieder in Deutschland, gibt aber zu, noch nicht ganz wieder angekommen zu sein. Er strahlt die Gelassenheit und Ruhe aus, die ich schon bei anderen Langfahrtseglern nach ihrer Rückkehr bemerkt habe. Ich bin sicher, dass eine Weltumseglung einen verändert und man mit einem anderen Blick auf die Dinge zurück kommt und frage mich, ob er irgendwann wieder hinauszieht auf die Meere?

"Phaleron" in Neuseeland (c) Martina Mittag

PHALERON in Neuseeland (c) Martina Mittag

Mittags mache ich mich wieder auf den Heimweg nach Strande. „Klasse, war schön Dich zu sehen“, schreibt Martina mir später, „Sah gut aus, wie Du unter Segeln raus bist. Ulli meinte, das macht er wohl nicht das erste Mal“. Haha! Ne, wirklich nicht. Als ich wieder in Strande ankomme, nimmt Ulf von der EARL GREY meine Leinen an und kurz nach mir kommen Antje und Stefan mit dem SCHRAT aus der Schlei. Gerade rechtzeitig haben wir alles wieder aufgeklart, bevor der erste mächtige Schauer des Tages runter kommt. „Wir sind keinen Moment zu spät losgekommen“, sinniert Stefan später, als wir bei Kaffee und Kuchen im Cockpit des SCHRAT sitzen. Wie heißen noch gleich die vier Jahreszeiten hier in Norddeutschland? „Frühling“, „Arschloch“, „Herbst“ und „Winter“? Irgendwann muss es doch auch mal wieder einen richtigen Sommer geben…

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Einmal Segel spülen

Wie lange noch?

Achtung Dusche!

Als ich Sonntagnachmittag wieder in Strande einlaufe, begrüßen mich Doris und Heiner, „Na, hast Du einmal die Segel gespült?“ Inzwischen scheint die Sonne wieder, aber hinter Bülk hat mich die Schauerbö voll erwischt, die schon länger von achtern herangezogen kam. Morgens in Richtung Stollergrund ausgelaufen, Windvorhersage W 4-5, aber in der Eckernförder Bucht ist alles weiß. Das meiste ist aber wohl hinter mir durchgezogen, eine dunkelgraue Wolke steht noch länger über der Kieler Förde. Die erste Schauerbö heute. Danach wieder wie angesagt, W 4-5. Hinter Damp, an der ersten Sperrgebietstonne, drehe ich wieder um. Viele Boote kommen heute auf der „Ölspur“ von der Schlei zurück. Vor Bülk muss ich noch das Regattafeld der Laser umfahren. Ein Sicherungsboot kommt auf mich zu und bittet, entweder abzufallen und ganz in Lee um die beiden Flotten herumzufahren, oder an den Wind zu gehen und bis zur Luvtonne hochzusegeln. Kein Problem. „Chantal“ ausgekuppelt, Groß- und Vorsegel dicht und Kurs auf die Regattatonne. Mißtrauisch beäuge ich die nächste Front, die von achtern aufzieht. Als ich Bülk gerundet habe, schnell das Großsegel weg. Genau als ich das Großsegel aufgetucht habe, fegt die Bö über die Strander Bucht. Bei Windfinder kann ich später den Peak mit Bft. 7 bei Kiel Leuchtturm sehen. Und es schüttet wie aus Eimern, wobei widerum das meiste etwas weiter auf See hinter mir runter kommt. Nach zehn Minuten ist der Spuk wieder vorbei. Nur unter G3 kein Problem. Hat irgendwie auch Spaß gemacht…

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Zurück in Strande

Beim Bau das größte Containerschiff der Welt, die Triple-EEE Schiffe von APMM

Beim Bau das größte Containerschiff der Welt, die Triple-EEE Schiffe von AP Moeller Maersk

Der Wetterbericht sieht gut aus für Freitag. Für die folgenden Tage sagt Wetterwelt für die Kieler Bucht abends jeweils 6-7 Bft an (Sa NW 6-7, So SW 6-7, Mo W 7-8). Dann werde ich zum Abschluß lieber nochmal eine Nachtschicht einlegen, dann sind wir Samstag früh in Strande zurück. Um 9 Uhr bin ich am Freitagmorgen auf der Piste. Das Dänische Pärchen, das vor mir ausgelaufen ist, kommt mir wieder entgegen, als ich in Richtung Snekkelöb segele. Zu ungemütlich an der Kreuz? Direkt am Riff ist es tatsächlich etwas holprig, aber danch geht es ganz gut. SW 4-5, ein Schlag mit 270°, ein Schlag mit 180°, dann stehen wir vor Sejerö. Meine erste Urlaubsreise mit der NAUSIKAA ging dort hin, 1981. Ist das lange her! Als wir Rosnäas Puller erreicht haben finde ich, wir haben genug gekreuzt und der Wind könnte nun wie angesagt auf W drehen. Stattdessen dreht er erstmal auf SSW. Mmmh. Die Wellen kommen aber schon aus Westen, also noch etwas Geduld. Eine gute Stunde später haben wir dann auch den Westwind und laufen halben Winds die Küste entlang nach Süden. Kerteminde, die Große Belt Brücke, Nyborg, Lundeborg. Wir sehen wieder einige von „meinen“ Schiffen. Einen Tanker von Seychelles Petroleum, und ein Triple-EEE von AP Moeller Maersk.

Langsam wird es dunkel. Das wird spannend, in der Nacht an Rudköbing und Marstal vorbei! Der Wind wird stärker, wie angesagt. Ein Reff ins Großsegel. Bin genau in der Peilung vom Richtfeuer. Ob ich die unbeleuchtete Ansteuerungstonne sehe? Scheinwerfer an, da leuchten die Reflektoren rot-weiß. Cool, dieser kleine LED Scheinwerfer. Nach ein paar Tonnen muss ich links abbiegen. Das grüne Oberfeuer sehe ich schon lange, aber wo ist das Unterfeuer? Gefühlt müsste ich jetzt den Kurs ändern. Da! Da liegt auch die Untiefentonne, also Kurs auf das grüne Feuer, auch ohne Unterfeuer. Die Tonnen liegen so dicht, dass ich im Scheinwerferlicht immer 2-3 Tonnen weit voraus sehen kann. Nun auf das rote Richtfeuer zu und unter der Brücke hindurch. Dann ganz hoch an den Wind. Gerade jetzt kachelt es wie blöde und es fliegt so viel Wasser durch die Luft, dass ich kaum etwas sehen kann. Und die beleuchteten Tonnen sind auch nur im Winter beleuchtet. Na Klasse! War das jetzt schon die letzte grüne Tonne? Der Kurs zur Ansteuerungstonne stimmt, also mutig abgefallen. Puuh, die erste Hürde ist geschafft. Vor Marstal nochmal die gleiche Übung, aber dort sind wir in der Landabdeckung und fahren fast vor dem Wind langsam an den unbeleuchteten Tonnen entlang. An der letzten grünen Tonne Kurs Kiel Leuchtturm. Endspurt!

Der Wind hat auf NW gedreht und halben Winds rutschen wir schnell über die Kieler Bucht. Langsam dreht der Wind auf West zurück und nimmt ab. Vor Bülk nochmal das Reff ausgeschüttet, vor Strande die Segel weg, Leinen klar, Fender an Deck, langsam gleiten wir durch den stillen Hafen. Die Box ist frei, wie schön. Nach dem Festmachen ein Einlaufbier (das vorletzte Störtebeker Schwarzbier, lecker) und ab in die Koje.

Das war der Sommer 2016

Das war der Sommer 2016

Das waren: 42 Reisetage, davon 13 Hafentage. 1.007 Seemeilen, davon 620 Seemeilen einhand. Sommer in Schweden und insbesondere in Norwegen. Eher durchwachsenes Wetter während der An- und Abreise. Schlechtes Wetter unterwegs: eigentlich keins. Schön, wenn man so viel Zeit hat, das schlechte Wetter „auszusitzen“. Bis zu den großen Fjorden hat es nicht gereicht, auch weil ich das 10-wöchige „Sabbatical“ auf 7 Wochen „Urlaub“ kürzen musste.

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Hier war ich noch nie

Sommer Sonnenuntergang

Sommer Sonnenuntergang

Wo? In Odden Havn. Und wenn Doris und Heiner von der ENTE letztes Jahr nicht davon berichtet hätten, dass sie auf dem Weg von Kopenhagen zurück hier schön Fisch essen waren, hätte ich den Hafen wohl auch nie zur Kenntnis genommen. Eigentlich wollte ich heute noch weiter, Ebeltoft oder Langör. Aber der Wind war schwächer als angesagt, schon aus dem Isefjord hinaus hatte es länger gedauert als gedacht. Und dann mit 3-4 kn an der Kreuz nach Westen, das macht ein VMG von 2-3 kn, mittags immer noch 10 Stunden bis Langör, ETA 23:30 Uhr. Als die Geschwindigkeit dann, 5 sm von Odden Havn entfernt, auf 1.5 kn absackt ist klar, weiter kommen wir heute nicht, und warum nicht noch einen neuen Hafen erkunden? Als wir eine Stunde später in Odden Havn einlaufen sind noch jede Menge Boxen frei. Sehr schön, denn morgen soll es erst aus SE, und später aus SW kacheln, dann kann ich es hier auch gut aushalten. Aber erstmal haben wir noch strahlend blauen Himmel, leichten Wind (nun doch wieder), im Laufe des Nachmittags füllt sich der Hafen bis auf den letzten Platz und alle genießen die sommerliche Atmosphäre.

Der Hafen von der Stielküste aus

Der Hafen von der Stielküste aus

Als ich am nächsten Morgen wach werde, ist fast der halbe Steg schon wieder leer, die ersten sind schon lange unterwegs um vor dem Starkwind den nächsten Hafen zu erreichen. Den meisten Crews, die später auslaufen, sieht man an, dass ihnen der Wind nichts ausmachen wird und dass sie das Wetter für eine schnelle Reise weiter nach Norden oder nach Osten nutzen wollen. Vormittags abwaschen, einkaufen, mittags pfeift es schon ganz schön durch den Hafen. Bevor es anfängt zu regnen, gehe ich ins Restaurant „Sjaellands Rev“ direkt am Hafen. Dort bietet man ein „Fisk- og Skaldyr Anretning“ an, Rejer, Jomfruhummer, Dagens Fisk, serviert mit Brot und drei verschiedenen Mayonnaisen und Kartoffelsalat aus neuen Kartoffeln. Danach DER dänische Klassiker, rote Grütze mit Sahne und einen „fair Trade“ Kaffee aus der Stempelkanne. Mmmmh! Von mir aus kann es jetzt anfangen zu regnen…

Terasse mit Ausblick

Terrasse mit Ausblick

Für den Donnerstag sagt WetterWelt für den Samsö Belt noch SW 6-7 voraus. Merkt man im Hafen hinter der Steilküste nicht, aber ich bleibe heute noch hier. Ebenso, wie ein anderer Segler aus Strande, der mir gegenüber liegt und auch nach Westen will. Wie damals mit Enja von Kopenhagen zurück leide ich am Ende der Reise auch wieder an meinem „keine Lust mehr“ Syndrom. Das war schon immer so. Als wir 1984 von Bergen zurückkamen, hatte ich schon in Skagen das Gefühl, nun ist gut, die Reise kann jetzt bitte schnell zu Ende sein. Genauso 1989, als wir die NAUSIKAA meiner Eltern aus Stockholm holten. Auslaufend Bornholm wäre es mir auch am liebsten gewesen, gleich nonstop nach Kiel zurück zu segeln. Komisch, oder? Wo ich doch so gerne auf Reisen gehe. Allerdings beschäftigt sich mein unruhiges Gehirn auch schon wieder mit neuen, nächsten Reiseideen…

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Isefjord

Tolle Wolkenformationen heute

Tolle Wolkenformationen heute

Schön ist es im Isefjord. Jetzt weiß ich, warum Freund Kim Henriksen sein Boot in Holbaek liegen hat. Kim arbeitet bei AP Moeller Maersk in Kopenhagen und wir haben in den vergangenen 10 Jahren viele Projekte zusammen bearbeitet. Kim segelt die X-99 BLUENOSE und wir gehören beide zu den Verrückten, die das „SilverRudder“ mitsegeln. Der nördliche Teil des Isefjordes mißt ca. 7 sm im Durchmesser und ist gegen alle Windrichtungen geschützt. Viele kleine (und größere) Häfen liegen am Isefjord in Kaffee-Tour Entfernung von Holbaek: Horby, Nyköbing, Rörvig, Lynaes und Ejby. Östlich an den Isefjord schließt sich der Roskildefjord an, mit vielen Untiefen und Fahrrinnen mit nur etwas mehr als 2 m Wassertiefe. Eigentlich hätte ich Lust gehabt nach Roskilde zu fahren, aber da habe ich mich mit meinen Uralt-Seekarten von 2007 (Hä mmh!) und ohne Echolot dann doch nicht getraut. Holbaek liegt im inneren Teil des Isefjordes. Die Holbaek Marina ist ein großer Hafen für über 600 Boote und auch hier wieder (abseits der üblichen Häfen) kein Problem in der Ferienzeit einen Liegeplatz zu bekommen. Für viele moderne Boote dürften die meisten Boxen jedoch zu schmal und/oder zu kurz sein. Dafür sieht man hier noch jede Menge Boote aus den 70ern und 80ern des Skandinavischen Bootsbaus. Sehr schön!

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Der Wind ist günstig

Noch ne Nachtschicht

Noch ne Nachtschicht

W 4-5 sind angesagt für die Nacht von Samstag auf Sonntag, später auf SW drehend. Ein kurzes Stück weiter nach Hals? Etwas weiter, Bönnerup, Grenaa oder Ebeltoft? Da waren wir die letzten Jahre überall schon mehrfach. Im Isefjord war ich noch nie. Warum also nicht dorthin? Hundested, Lynaes, Holbaek, Roskilde? Am Mittwoch / Donnerstag sollen wir Südwind haben, da kann ich mich wieder nach Westen verholen. 17:30 Uhr laufen wir aus Saeby aus. Als es dunkel wird klappe ich das Sprayhood hoch und setze mich in den Niedergang. Fühle mich fast wie ein Pilot in seiner Kanzel. Hatte Robert Das in den 70ern nicht so einen Vorschlag in der YACHT gemacht? Einhandbedienbares Segelboot mit fernbedienten Rollsegeln? Ein der Krängung entsprechedn verstellbarer Sportsitz in einer dem Flugzeug ähnlichen Kanzel mit Cabrio Verdeck? Hat was, diese Idee, für längere Seestrecken. Nachts ist es schon fast wieder dunkel. Der Windpark vor Anholt liegt genau im Weg, wir fahren westlich daran vorbei. Morgens um 7 Uhr sind wir an der Ansteuerung zum Isefjord. Lynaes hört sich nett an, auch wenn es von der Ansteuerung noch 7 sm sind, bis wir da sind. Ein großer Hafen, viele freie Plätze, sonntägliche Ruhe, die Dänen sind unter sich, Kinder spielen, Hafen Grill, Restaurant, Hafengeld DKK 160 „all inclusive“ (Strom, Dusche, WLAN). Aber kackfreche Kormorane, die sich auf den Masttop setzen und an Deck und ins Cockpit scheissen! Ich glaube es nicht!

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Blau, Gelb, Rot…

Dänischer Sommer

Dänischer Sommer

…eigentlich sind das die Farben von Dänemark. Blauer Himmel, rote Dächer, gelbe Häuser. Am Samstag erstmal ausschlafen, unterbrochen von einem Gang zur Toilette. Weiter schlafen, frühstücken, noch ein Nickerchen, duschen, Reisebericht schreiben, Wetterberichte checken. Überlegen, wann und wohin weiter? Zum späten Mittag ein Beuff Sandwich mit Pommes in der „Kystens Perle“, abends in die Stadt zum Super Brugsen, den Proviant ergänzen. Zum Sonnenuntergang spielt der Trompeter im Hafen. Ich erinnere mich, da sind wir schon mal mit Ingrid und Ralf hierher gefahren, als wir in Bunken mit der Familie campen waren. Am Sonntag gemütlich gefrühstückt, meine Pullover gewaschen, danach durch die Gallerien gebummelt. Zu Mittag leckere Nudeln mit Hacksauce  „All‘ Arrabiata“, ein Verdauungsschläfchen, danach SNAEDIS wieder seeklar machen. Heute Abend geht’s weiter in Richtung Heimat. Wohin? Ein paar Ideen habe ich schon, aber das entscheide ich unterwegs…

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Das Große Wasser

Der Sonne entgegen...

Der Sonne entgegen…

Um halb neun laufe ich aus Kristiansand aus. Jetzt wieder Einhand. Ein Blick zurück, das war Norwegen. Schön und abwechslungsreich. Segeln in den Bergen, wenn auch nicht in den großen Fjorden. Tschüß Kristiansand! Nun geht’s übers Skagerrak in Richtung Heimat. „Ach so, traust Du Dich übers große Wasser!“, kommentiert Enja meine Rückreisepläne über WhatsApp. Ja, ich traue ich mich, bei dem angesagten Wetter schon.  Nachdem wir Leuchtturm Grönningen um 9:20 Uhr passiert haben können wir Kurs auf Skagen nehmen, 87 sm von hier. Der Wind ist noch moderat, ich baume das Vorsegel zum Schmetterling aus und stelle die Selbststeueranlage ein. Drei Trawler kreuzen unseren Weg, weit an Steuerbord sehe ich die Schnellfähre von Hirshals. Der „Norwegian Coastal Current“ bremst noch ordentlich, nur 5 kn über Grund in der ersten Stunde. Dabei soll der Strom nach den Unterlagen nur etwa 0.75 kn betragen. Der Wind erreicht bald die angesagten 5 Bft., der Seegang ist nicht hoch und „Chantal“ steuert prima. Nach etwa drei Stunden Fahrt macht sich auch der störende Strom nicht mehr bemerkbar. Backbord voraus kommt ein Segel in Sicht, das langsam größer wird. Zum Mittagessen habe ich Lust auf Labskaus. Auch ohne Gurken, Hering und Spiegelei – die Dosen vom „Old Commercial“ sind auch so einfach lecker!

Es läuft ganz gut...

Läuft …

Um 14 Uhr haben wir das Verkehrstrennungsgebiet TSS „Off Lillesand“ passiert (ohne ein einziges Schiff gesehen zu haben) und bald schiebt der Strom vor der dänischen Küste kräftig mit. Ab 15 Uhr legen wir jede Stunden 8.5 sm bis 9.0 sm auf der Karte zurück! Den anderen Segler passieren wir mit reichlich Abstand an Steuerbord, sodass ich nicht sehen kann, wie groß das Boot ist das wir da überholt haben. Je näher wir Skagen kommen, desto mehr Schiffsverkehr in die Ostsee hinein und heraus. Ein großer Kreuzfahrer, Tanker, Multi-Purpose Schiffe, RoRo-Frachter. Alles trifft sich aus unterschiedlichen Richtungen bei Skagens Rev. Ich kann genau zwischen einem auslaufenden kleinen Tanker und einem großen RoRo Frachter hindurch schlüpfen. 20:45 Uhr passieren wir die Nordtonne vor Grenen.

Sonnenuntergang über Skagen

Sonnenuntergang über Skagen

Der Wind hat abgenommen und auf SW gedreht. Und der Strom schiebt nicht mehr mit, im Gegenteil. Eben noch über 8 kn über Grund, jetzt nur noch knapp 4 kn. Die Sonne geht farbenprächtig über Skagen unter. Nach Skagen möchte ich nicht im Dunkeln. Einhand, und dann vielleicht noch mit dem Anker hantieren, nein danke! Ist eh immer viel zu voll dort. Aalbaek wäre schön, aber bis ich dahin aufgekreuzt bin, bin ich auch schon fast an Fredrikshavn vorbei. Die Dänen neben uns in Kristiansand erzählten, auf dem Hinweg sei in Saeby viel Platz gewesen. Da war ich auch mit Mara im letzten Jahr, da finde ich mich im Dunkeln zurecht. Vor Frederikshavn stirbt der Wind ganz. Naja, das erleichtert das nächtliche Anlegen im Dunkeln. Segel weg, Motor an, die letzten sieben Meilen motoren wir. Um 3:30 Uhr sind wir in Saeby fest. Kurznachricht an die Familie und meine kleine Freibeuterin, dass ich gut über das große Wasser gekommen bin. Und dann ab in die Koje!

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Zwischen Arendal und Kristiansand

SNAEDIS in Arendal

SNAEDIS in Arendal

Arendal ist das schönste Städtchen hier an der Küste. Nicht so touristisch wie Risör, nicht so groß wie Kristiansand. Der Gästehafen besteht aus Schwimmstegen, die in den Hafen hinein gebaut sind. Durch die vorbeifahrenden Boote und Schiffe ist es auch innen an den Stegen etwas unruhig. Nach uns kommt ein etwas längeres klassisches Segelschiff in den Hafen und legt sich neben uns. Ein wahres Schmuckstück. Etwas östlich vom Gästehafen reihen sich Restaurants und Cafés aneinander. Vom gegenüberliegenden Ufer schallt Musik verschiedener Bands über den Hafen. Im Tourist Büro lässt Ina sich beraten, wie sie am besten nach Oslo zurückkommt. Günstige Abfahrten mit dem Bus gibt es von Arendal und von Kristiansand. Abends gehen wir Fisch & Chips essen und trinken im Café Victor noch einen Wein. Ina ist neugierig auf das Konzert auf der anderen Seite, kann sogar noch eine Eintrittskarte ergattern und kommt später ganz begeistert zurück und erzählt vom Kapitän der kleinen Fähre, von der Stimmung dort drüben mit der kleinen Bühne, den vielen Segel- und Motorbooten an den Anlegern davor und den vielen gut gekleideten und fröhlichen Norwegern, alle in unserem Alter.

Der innerste Platz direkt vor der Badebucht

Der innerste Platz direkt vor der Badebucht

Nach den flauen Tagen haben wir am Sonntag endlich mal wieder etwas Wind. Ohne konkretes Ziel segeln wir bei ESE 2-3 weiter süd-westwärts. Heute segeln wir außerhalb der Schären, da der Wind dort stetiger ist. Auf See sieht man eine große dunkelgrüne Ketsch, die zuerst gegen den Wind auf die See hinaus kreuzt und dann unter Gennaker wieder auf die Küste zuhält und in die Schären eintaucht. Bestimmt deutlich über 25 m lang. Unsere Kurse kreuzen sich und die Norweger winken freundlich herüber, weil wir ihnen ausgewichen sind. An den Leuchttürmen Torungen, Hesnesbregen und Gåsa gleiten wir vorbei. In der Umgebung von Lillesand suchen wir im Havneguiden wieder einen Schärenplatz. In der Hestholmbuktene finden wir ganz innen einen Platz direkt vor dem Badestrand. Picknick auf den Steinen. Ina macht einen Ausflug über die Insel und mit dem Pustedinghi am Ufer entlang. Wieder ein sehr beliebter Platz, zwei benachbarte Schwedische Boote unterhalten uns mit ihrer Musik. Insgesamt zählen wir 50 Boote in der ausgedehnten Bucht, davon 15 Segel- und 35 Motorboote. Abends Thunfischsalat mit Rotwein und Fortsetzung unserer Krimi-Vorlesestunde.

"Minion Man"

„Minion Man“

Der Montagmorgen ist grau, aber es regnet nicht. Quer über die Insel zum Plumpsklo. Vormittags setzt sich etwas Wind aus SSW durch und unter Segeln gehen wir Anker auf. Einen Schlag auf Backbord Bug auf See hinaus und nach der Wende auf Steuerbord Bug weiter die Küste entlang. Vor uns blauer Himmel, über Land und weiter auf See regnet es. Südlich von Ytre fahren wir wieder in die Schären hinein und biegen vom Randöysund in die Stangenesbukta ein. Ankern darf man dort nicht mehr wegen eines Unterwasserkabels, aber der Besitzer eines Hauses erlaubt uns, die Boje vor seinem Haus zu benutzen. Heute sind wir einziges Schiff in der Bucht. Ein Nickerchen, zum Kaffee ein Nutella-Brot mit Zimt. Mit dem Pustedinghi einmal Rund Holmen, mit Doppelpaddelantrieb gegen den Wind, mit Handtuch-Rahsegel vor dem Wind zurück. Dann erwischt uns doch noch ein kapitaler Regenschauer, bevor wir an Bord zurück sind – alles nass. Klamotten aus und ab ins Wasser und eine Runde gebadet. Nochmal Schwimmen im Regen. Unter Deck hängen wir die nassen Sachen zum Trocknen auf. Irgendwann wird auch wieder die Sonne scheinen. Zum Abendessen eine Reispfanne mit Zwiebeln und Paprika, danach Krimi-Stunde.

In der Stangenesbukta

In der Stangenesbukta

Morgens motoren wir die sechs Meilen nach Kristiansand. Wir brauchen mal wieder einen Supermarkt und Ina will ihre Fahrkarte nach Oslo kaufen. Wir haben Glück und finden so früh sogar einen Platz im Hafen. Zum Frühstück einen Hot-Dog und einen Kaffee. Batterien laden, Heizlüfter unter Deck um die nassen Sachen von gestern zu trocknen. Mal wieder warme Duschen. In die Stadt zur Tourist Info die Fahrkarte kaufen und zum Supermarkt. In der Haupteinkaufsstraße ein Stück Kuchen. Als ich zurück an Bord bin schnell mit den müffelnden Klamotten ins Sanitärgebäude – eine Waschmaschine ist frei. Nachmittags treffen Ina und ich wieder im Café in der Einkaufsstraße und gehen von dort ins Naturgebiet Banaheia. Mehrere in Stufen aufgestaute Seen gibt es dort. Früher dienten diese bestimmt als Trinkwasser Reservoir, heute ist die Gegend ein Naherholungsgebiet fast im Zentrum von Kristiansand mit Wegen zum Wandern und Loipen zum Skilaufen. Viele Jugendgruppen sind dort im Sommercamp, baden in den Süßwasserschären. Abends gibt es Lachs mit Spinat und Kartoffeln.

Eigentlich haben wir noch zwei Tage bis Inas Bus geht, aber das Wetter erfordert eine Planänderung (mal wieder). Wenn ich am Donnerstagvormittag in Richtung Dänemark ablege, kann ich das einzig gute Wetterfenster der ganzen folgenden Woche nutzen. Nächste Chance ist erst wieder am Mittwoch nächster Woche, wie es aussieht. Ina ist enttäuscht, hat aber auch Verständnis dafür, dass ich nicht bei 6-7 Beaufort über das Skagerrak will. Schlauchboot verpacken, Strecktaue an Deck spannen, noch ein paar Snacks für die Überfahrt einkaufen. Vor den 90 sm Einhand über das Skagerrak habe ich Respekt…

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